Für immer mehr Medizinstudierende ist die Hausarztmedizin wieder attraktiver geworden. Noch vor zehn Jahren nannten lediglich zehn Prozent der Medizinstudienabgänger in Bern die Hausarztmedizin als Berufsziel, sagt Sven Streit der Zeitung «Der Bund». «Inzwischen sind es doppelt so viele, und weitere 40 Prozent bezeichnen die Hausarztmedizin als eine sehr interessante Option». Man spüre die Trendwende deutlich, so der Professor am Berner Institut für Hausarztmedizin.
«Die Hausarztmedizin hat sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der Ärzteschaft an Beachtung gewonnen und sich neu positioniert», sagt auch Philipp Luchsinger, Präsident der Haus- und Kinderärzte (mfe) Schweiz. Das sei auch bei den Jungen angekommen, so Luchsinger gegenüber dem «Bund» weiter. Auch das Wachstum des Vereins junger Hausärztinnen- und Ärzte sei ein weiteres Indiz für das neue Selbstbewusstsein der Fachrichtung und deren Vertreter. Kurz: «Die Hausarztmedizin ist wieder sexy geworden».
Hausarztmangel wird sich vorerst verschärfen
Doch bis die neue Generation eine Hausarztpraxis übernehme, könne es noch acht bis zehn Jahre dauern, sagen die beiden Profis gegenüber der Zeitung. Deshalb werde sich der Hausarztmangel vorerst gar noch verschärfen. Für Luchsinger braucht es zudem weitere Anstrengungen: zum Beispiel die intensive Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen aus Apotheken, Heimen und dem Spitex-Bereich. Dies ermögliche neue Modelle der Arbeitsteilung.
Die neue Attraktivität des Hausarztberufs habe viele Ursachen: Professor Sven Streit nennt unter anderem das breite Spektrum, der direkte Patientenkontakt, aber auch Kriterien wie Teilzeit, Teamarbeit oder die Option auf Selbständigkeit oder Festanstellung. Und offenbar habe darüber hinaus die Arbeit im Spital an Attraktivität verloren.