Auch die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) geht aktuell davon aus, dass 80 Prozent der Covid-19-Fälle einen milden Verlauf haben werden. Nur bei 15 bis 20 Prozent aller mit SARS-CoV-2 infizierten Personen sei derzeit von einer Hospitalisierung auszugehen.
Weiter würde die Hälfte dieser spitalbedürftigen Patienten nach derzeitigen Einschätzungen auf eine Behandlung auf der Intensivstation oder Intermediate Care Unit angewiesen sein. Das wären 7.5 bis 10 Prozent aller Infizierten, so die SGI weiter. Deshalb die grosse Frage: Sind die aktuellen intensivmedizinischen Ressourcen in der Schweiz dafür ausreichend, vom wahrscheinlich fehlendem Personal mal abgesehen?
Bis zu 450 IMC-Betten
In der Schweiz gibt es laut SGI per Anfang März 2020 82 von der SGI zertifizierte und anerkannte Intensivstationen. Auf diesen stehen aktuell zwischen 950 und 1 000 Betten zur Verfügung. Diese könnten in «aussergewöhnlichen Situationen» an gewissen Standorten aufgestockt werden. 800 bis 850 Betten verfügen zudem über Beatmungsgeräte.
Zu diesen auf Intensivstationen verfügbaren Betten kommen zurzeit 400 bis 450 Betten auf Intermediate Care Units (IMC-Units), teilt die SGI weiter mit. Demnach «dürfen» Überschlag rechnerisch gesehen - und ohne Berücksichtigung der Nicht-Corona-Fälle in der Schweiz - nicht mehr als 14'500 Menschen gleichzeitig erkranken. Das wären gemessen an der Schweizer Bevölkerung 0.18 Prozent. Zum Vergleich: In stark betroffenen Ländern wie Südkorea und Italien
sind derzeit rund 0.02 Prozent der Gesamtbevölkerung infiziert. Hinzu kommen die nicht getesteten und nicht erfassten Fälle (Dunkelziffer).
Operationen werden verschoben
Wie viele Personen in den nächsten Wochen genau mit SARS-CoV-2 infiziert sein werden, hängt laut der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin von der Effektivität der getroffenen Eindämmungsmassnahmen ab - und ist schwierig abzuschätzen.
Bei einem markanten Anstieg an Fällen werden aller Voraussicht nach eine Verschiebung der elektiven Eingriffe und Behandlungen erfolgen. Hierfür seien eidgenössische und kantonale Behörden und die jeweiligen Spitäler verantwortlich, heisst es. Einige haben bereits damit begonnen, Eingriffe zu verschieben.
SGI stellt Instrumente zur Verfügung
Die SGI werde den Intensivstationen der Schweiz zudem kostenlos Instrumente und Empfehlungen zur Verfügung stellen. Unter anderem, um die hohe intensivmedizinische Behandlungsqualität in der Schweiz auch künftig sicherzustellen. Dazu gehöre auch eine Minimierung des Infektionsrisikos für die Behandlungsteams.
Konkrete Angaben zu den Instrumenten und Empfehlungen werden in den nächsten Tagen kommuniziert. Die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) verfolge die nationalen und internationalen Entwicklungen mit grösster Aufmerksamkeit und nehme die Lage aufgrund der Erfahrungen in China, Südkorea und Norditalien ernst.