Wie beeinflusst Angst, Stress oder Hunger unser Verhalten? Wie diese Zustände im Gehirn dargestellt werden, war bisher unklar. Eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Jan Gründemann und Prof. Dr. Andreas Lüthi vom Friedrich Miescher Institut für Biomedizinische Forschung und der Universität Basel haben den «Code» dieser inneren Zustände nun erstmals aufgedeckt.
Um die neuronale Signatur von Angstzuständen in der Amygdala zu entziffern, haben die Wissenschaftler intensiv am Menschen und im Tiermodell geforscht. Sie haben ein neuartiges Miniaturmikroskop im «Angstzentrum» des Gehirns von Mäusen eingesetzt, die sich frei bewegen konnten. So konnten sie die Gehirnaktivität der aktiven Tiere erstmals über mehrere Tage hinweg verfolgen.
Muster ganz anders als angenommen
Dank dieser Messmethode gelang es dem Team, Muster in der tief im Gehirn liegenden Amygdala zu finden, die sich immer genau dann veränderten, wenn die Mäuse plötzlich ihr Angstverhalten änderten: wenn die Maus also beispielsweise kein ängstliches Verhalten mehr zeigte und stattdessen wieder ihre Umgebung erkundete.
Die Forschungsgruppe war selbst überrascht, welche Signatur sie nun dank der höheren Auflösung erkennen konnte: Die neu entdeckten Muster funktionierten ganz anders als bisher angenommen - und sie seien erstaunlich simpel codiert, obwohl sie für komplexe Zustände verantwortlich sind, so Gründemann und Lüthi.
Posttraumatische Belastungsstörung besser therapieren
Für ihre Studien wurde die Forschungsgruppe von Gründemann nun mit dem Forschungspreis der
Schweizerischen Hirnliga in der Höhe von 20'000 Franken ausgezeichnet. Alle zwei Jahre vergibt die Hirnliga einen Forschungspreis für eine ausserordentliche Leistung im Bereich der Neurowissenschaften.
Die neuen Erkenntnisse liefern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Gehirns und bergen grosses Potential für therapeutische Massnahmen, wie die Hirnliga mitteilt. Langfristig können ihre Ergebnisse dabei helfen, Krankheiten wie die Posttraumatische Belastungsstörung besser zu therapieren.
Mehrere Anschlussstudien geplant
Das Preisgeld unterstützt das Forschungsteam jetzt bei weiteren Untersuchungen. In einer nächsten Studie fragen sie danach, inwiefern die beobachteten neuronalen Signaturen bei anderen Verhaltensweisen auftreten. Zum Beispiel während sozialer Interaktion und Nahrungssuche. Und die Wissenschaftler möchten testen, ob gezielte Veränderungen zu einer Veränderung im Verhalten führen können. So hoffen sie, Einstiegspunkte für neue Forschung am menschlichen Verhalten zu schaffen.