Offener Brief: Fachleute drängen auf Tabakkonvention

Obwohl fast die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen Tabak- oder Nikotinprodukte konsumiert, hat die Schweiz die WHO-Rahmenkonvention bis heute nicht ratifiziert. Gesundheitsfachleute fordern Bundesrat und Parlament zum Handeln auf.

, 17. November 2025 um 14:54
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Symbolbild: Unsplash
Mehr als 100 Schweizer Gesundheitsfachleute haben Bundesrat und Parlament in einem offenen Brief aufgefordert, die WHO-Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle (FCTC) «unverzüglich zu ratifizieren».
Mehr als 20 Jahre nach der Unterzeichnung sei die Schweiz eines der wenigen Länder, das die Konvention bislang nicht umgesetzt hat, so die Mitteilung.
Anlass für das Schreiben ist die 11. Vertragsstaatenkonferenz (COP11) der FCTC, die vom 17. bis 21. November 2025 in Genf stattfindet. 116 Fachpersonen bringen darin ihre «tiefe Besorgnis über den ungenügenden Schutz junger Menschen vor Tabak- und Nikotinprodukten» zum Ausdruck und fordern, dass die Schweiz Verantwortung für kommende Generationen übernimmt.

Dringlichkeit ist hoch

«Die Dringlichkeit, den Tabakkonsum zu senken und unsere Jugend vor dem Einstieg in Tabak- und Nikotinprodukte zu schützen, ist hoch», heisst es im offenen Brief. Die Unterzeichnenden weisen auf die rasch zunehmende Verbreitung neuer Produkte wie E-Zigaretten, Snus, Nikotinbeutel und erhitzter Tabakprodukte hin. Laut BAG-Befragung «Gesundheit & Lifestyle 2024» konsumieren bereits 45  Prozent der 18- bis 24-Jährigen Tabak- oder Nikotinprodukte.
Die FCTC bietet weltweit Massnahmen zur Tabakkontrolle, darunter Werbeverbote, Steuererhöhungen und Passivrauchschutzbestimmungen. 183 Staaten haben die Konvention bereits ratifiziert und konnten damit nachweislich den Tabakkonsum senken. Die Schweiz hingegen steht weiterhin abseits, obwohl das Tabakproduktegesetz (TabPG) seit 2024 die rechtliche Grundlage für eine Ratifikation bietet.
Die Unterzeichnenden fordern den Bundesrat und das Parlament auf, die WHO-Konvention unverzüglich zu ratifizieren und die empfohlenen Massnahmen umzusetzen, insbesondere zum Schutz junger Menschen. Mit der Ratifikation könnte die Schweiz ihre Verpflichtungen im Rahmen der Agenda 2030 erfüllen.
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