Medizinprodukte: Schweiz bald FDA-konform?

Die Schweizer Regierung plant ein vereinfachtes Zulassungsverfahren für Medizinprodukte, die bereits von der US-amerikanischen FDA zugelassen wurden - unter anderem durch die Einbeziehung privater Organisationen in die Bewertung.

, 2. Mai 2025 um 13:53
image
Nach verschiedenen Vorfällen und Skandalen u.a im Zusammenhang mit fehlerhaften Brustimplantaten, hat die EU seit 2017 einen strengeren Rechtsrahmen eingeführt. Symbolbild: philippe spitalier/Unsplash
Der Bundesrat hat die Weichen für eine Ausweitung der Versorgung mit Medizinprodukten gestellt. Im Fokus steht dabei die Umsetzung der Motion von Ständerat Damian Müller (20.3211), die den Schweizer Markt für Produkte öffnen will, die aussereuropäischen Regulierungssystemen unterliegen.

FDA-Zulassungen

Heute dürfen in der Schweiz nur zertifizierte Geräte vermarktet werden, die den schweizerischen oder europäischen Normen entsprechen. Die Motion Müller schlägt vor, diesen Rahmen zu lockern, indem die Einfuhr von Produkten erlaubt wird, die von anderen Behörden, insbesondere der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA), validiert wurden.
Der Bundesrat erwägt, private Stellen mit der Überprüfung der Voraussetzungen für das Inverkehrbringen zu beauftragen. Diese Stellen sollen die Konformität von bereits von der FDA zugelassenen Produkten mithilfe eines vereinfachten Verfahrens bewerten, das sich teilweise auf die in Übersee durchgeführten Kontrollen stützt.

Private Organisationen

«Der Bundesrat möchte private Organisationen damit beauftragen, die Voraussetzungen für bereits in den USA von der FDA zugelassene Produkte zu überprüfen», heisst es in einer Pressemitteilung. «Private Stellen werden die Anforderungen durch ein vereinfachtes Konformitätsbewertungsverfahren überwachen, da dabei Elemente berücksichtigt werden, die bereits von der FDA durchgeführt wurden.»
Eine Arbeitsgruppe ist derzeit damit beauftragt, die Modalitäten der Umsetzung dieser Motion zu prüfen, insbesondere die Unterschiede zwischen den Regulierungssystemen der FDA, der Schweiz und der EU. Zu den ersten Empfehlungen gehören mehrere Voraussetzungen, wie die Einhaltung der Schweizer Datenschutzgesetzgebung oder die Einrichtung eines Qualitätsmanagementsystems.

Nächster Schritt

Die Verantwortung für die weiteren Arbeiten liegt nun beim Eidgenössischen Departement des Innern (EDI), in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (DEFR) und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Gemeinsam müssen sie diesen Ansatz vertiefen und die genauen Umrisse des künftigen Regelwerks festlegen.
  • medtech
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Medtech: «Zu viel Regulierung killt Innovation»

Swiss-Medtech-Direktor Adrian Hunn spricht im Interview über US-Strafzölle, EU-Hürden und Reformbedarf im Zulassungssystem.

image

Innovative Kinderradiologie am Kantonsspital Baden

Das Kantonsspital Baden setzt in seinem Neubau neue Massstäbe in der patientenfreundlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Die Kinderradiologie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen und arbeitet eng mit anderen Fachbereichen zusammen.

image

Medtech: «Monsieur Prix» will ein Register der bezahlten Preise

Preisüberwacher Stefan Meierhans nimmt die Herz- und Orthopädie-Implantate ins Visier. Seine Erhebung bei 67 Schweizer Spitälern bringt drastische Unterschiede ans Licht.

image

Investor steckt 10 Millionen Franken in Schweizer Medtech-Startup

Der Brancheninvestor SHS investiert in das Unternehmen Simulands, ein Schweizer Hersteller von Simulationsgeräten für das medizinische Training von kardiovaskulären Eingriffen.

image

Umdenken von Betriebsmodellen zur Verbesserung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften

Terumo und Alcon haben ihre Systeme umgestaltet, um abteilungsübergreifende Verbindungen zu schaffen und sich auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften in jeder Phase des Produktlebenszyklus zu konzentrieren.

image

Schweizer Medtech-Startup sammelt Fördermittel

Sleepiz plant die weiteren Expansionschritte: Unter anderem tritt das ETH-Spinoff der grössten US-Organisation für Telemedizin bei.

Vom gleichen Autor

image

Daler-Spital: Ein «Kokon-Zimmer» für einen besseren Start ins Leben

Das Freiburger Spital führt einen neuen Zimmertyp auf der Entbindungsstation ein. So soll die Ruhe der jungen Mütter, die Nähe zur Familie und das Stillen gefördert werden.

image

Spitalplanung: Freiburg bremst gleich drei Klinikprojekte aus

Der Freiburger Staatsrat hat seinen Bericht über die Spitalplanung in die Vernehmlassung geschickt. Drei neue Spitäler – La Berra, Renaissance und Gruyère – werden damit in Frage gestellt.

image

Erneute Kundgebungen gegen die Versetzung einer Pflegeleiterin des HUG

Nachdem an ihrer Bürotür ein rassistischer Schriftzug aufgetaucht war, wurde eine Pflegeleiterin im Universitätsspital Genf gegen ihren Willen versetzt. Demonstranten fordern ihre Wiedereinstellung.