Frankreich: Hacker erbeuten Gesundheitsdaten von 15 Millionen Menschen

Ein Cyberangriff auf den Softwareanbieter Cegedim Santé hat zur Entwendung sensibler Patientendaten geführt – darunter auch persönliche ärztliche Notizen.

, 2. März 2026 um 06:12
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Screenshot: Franceinfo
Rund 15 Millionen Menschen in Frankreich könnten von einem der grössten bekannten Cyberangriffe auf das Gesundheitswesen betroffen sein. Ziel der Attacke war eine Praxissoftware von Cegedim Santé, die landesweit von rund 1’500 Ärztinnen und Ärzten eingesetzt wird.
Was zunächst als Diebstahl von «reinen Verwaltungsdaten» dargestellt wurde, erweist sich als gravierender Eingriff in die Privatsphäre: Neben Basisangaben wie Name, Adresse oder Geburtsdatum gelangten auch ärztliche Notizen ins Darknet – teilweise mit hochsensiblen Informationen zu HIV-Status, sexueller Orientierung, Religion oder Suizidgedanken. Betroffen sind rund 165’000 Patientenakten, darunter laut französischen Medien auch Profile von Spitzenpolitikern und Sicherheitsbeamten.
Das Gesundheitsministerium bestätigte den Angriff. Kompromittiert wurden die Systeme von etwa 1’500 der insgesamt 3’800 Praxen, die mit der Software arbeiten. Der erste Zugriff auf die Systeme wurde bereits Ende 2025 entdeckt; das Ausmass wurde jedoch erst sichtbar, als die Daten diese Woche im Netz auftauchten.
Besonders brisant sind die veröffentlichten handschriftlichen Kommentare aus den Konsultationen. Sie geben Einblick in intime Lebensbereiche der Betroffenen – und machen das Datenleck zu einem der sensibelsten Vorfälle im europäischen Gesundheitswesen
Laut dem nationalen Fernsehsender «Franceinfo» könnte das Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden.
France 2 - H. Puffeney, C. Sinz, A. Tribouart, R. Degardin, B. Vignais, A. Lopez - Herausgegeben von der Agentur 6Medias, 27. Februar 2026

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