Frau Martin und Frau Bethge, seit kurzem gibt es am Kantonsspital Aarau eine Bildungsstation Pflege. Was genau können wir uns darunter vorstellen?
Grundsätzlich ist das eine autonome Station mit Sonderstellung innerhalb einer normalen Bettenstation. Speziell ist jedoch, dass die Lernenden und Studierenden selbständig in allen Schichten unsere Patientinnen und Patienten versorgen.
Damit die Patientensicherheit immer gewährleistet ist, stehen ihnen in allen Schichten Fachpersonen zur Seite
Welches Ziel verfolgt die Bildungsstation?
Das Ziel ist es, unsere hohe Ausbildungsqualität damit weiter zu steigern. Durch agile Methoden aus dem Management werden die individuelle Lernprozesssteuerung und die Förderung von sozialem Lernen strukturiert. Ebenso begünstigen wir die interprofessionelle Zusammenarbeit.
Aus welchem Bedürfnis heraus ist die Bildungsstation entstanden?
Der Fachkräftemangel ist leider ein Dauerthema und wird es voraussichtlich auch in Zukunft bleiben. Mit der Bildungsstation möchten wir die Attraktivität unseres Ausbildungsstandortes weiter steigern und den Lernenden und Studierenden ein spannendes Umfeld bieten. Neueste Studien und Erkenntnisse zeigen auch, dass die Ausbildung durch eine Bildungsstation deutlich optimiert werden kann. Ebenso ist eine interprofessionelle Zusammenarbeit eine mögliche Strategie, um die zukünftigen Herausforderungen in der Zusammenarbeit von verschiedenen Professionen besser abzugleichen.
An wen richtet sich die Bildungsstation?
Auf der Bildungsstation arbeiten Lernende und Studierende der Pflege und Gesundheitsberufe, gemeinsam mit Berufsbildenden und dipl. Pflegekräften.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Lernenden und Studierenden zur Bildungsstation?
Grundsätzlich positiv. Die Lernenden und Studierenden schätzen das voneinander Lernen und neue Rollen und Methoden ausprobieren. Ebenfalls erachten sie die Eigenverantwortung als wertvoll.
Inwiefern kann die Bildungsstation dem Fachkräftemangel entgegenwirken?
Mit der Bildungsstation haben wir die Möglichkeit mehr Lernende und Studierende auszubilden und diese noch besser auf die zukünftige Berufsrolle vorbereiten. Zugleich möchten wir die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Praxis fördern und vermitteln.
Stichwort Interprofessionalität. Welche Bedeutung hat diese am KSA?
Die Interprofessionalität spielt im Gesundheitswesen generell eine zentrale Rolle und leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualität und Kontinuität der Versorgung, Zufriedenheit aller Beteiligten sowie Kostenkontrolle. Nur wenn die Teamarbeit reibungslos funktioniert, kann eine effiziente Medizin ohne Qualitätseinbussen gelingen.
Welche Visionen haben Sie für die Zukunft?
Wir erhoffen uns, dass wir die Bildungsstation weiter ausbauen und noch mehr Betten und Professionen (bsp. Arzt, Apotheke, Labor etc.) einbeziehen können. Dabei soll das gemeinsame Lernen, Lehren, Forschen und Managen im Fokus stehen.
Berufspraktikumsstellen in 28 verschiedenen Berufen an – im Bereich Pflege und Betreuung, im medizinisch-technischen und therapeutischen Bereich, in der Hotellerie, in technischen Betrieben sowie in der Administration.