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Was ist wichtiger: Der Wert der Gesundheit oder die Höhe der Prämien?

Wo bleibt der Patient, wenn es nur noch darum geht, Gesundheitskosten einzusparen? Es zählt nicht per se das Sparen, sondern die Qualität der Versorgung.

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Von Sarah Müller und Urs Vögeli ((Sarah Müller und Urs Vögeli leiten die Bereiche Medizintechnik bzw. Heilmittel von Johnson & Johnson in der Schweiz))
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Will man eine Sache nachhaltig zum Erfolg führen, muss man sie vom Ende her denken. Folgen wir diesem Grundsatz bei der Gestaltung unseres Gesundheitswesens, steht der «Wert der Gesundheit» im Mittelpunkt, also das messbare und nachhaltige Ergebnis, das Prävention und Therapien relativ zum Aufwand erzielen. Es dreht sich dabei alles um die Patientinnen und Patienten bzw. ihr Wohlergehen und ihre Zufriedenheit. Erfolgskritisch und damit ebenfalls eine wichtige Messgrösse ist zudem die Zufriedenheit der Gesundheitsfachkräfte. Schauen wir uns aber an, was die Öffentlichkeit aktuell rund ums Thema Gesundheit diskutiert, ist weder von Patienten noch von ihrer Zufriedenheit die Rede. Vielmehr dreht sich alles um Kosten und um frustrierte Tarifpartner und Behörden.
Kaum ein Hoffnungsschimmer, dass sich das gesundheitspolitische Klima ändert
Angesichts steigender Gesundheitskosten, die alle von uns in Form von höheren obligatorischen Krankenkassenprämien treffen, sind Kostendiskussionen legitim. Und dass die Stimmung zwischen Tarifpartnern mal schwierig werden kann, gehört zu einem gesunden demokratischen Prozess. Das Problem ist vielmehr die Dauer, Einseitigkeit und Vehemenz in der aktuellen Diskussion. Es ist tatsächlich kaum ein Hoffnungsschimmer erkennbar, dass sich das gesundheitspolitische Klima ändert. Dabei wäre für den heutigen und künftigen Betrieb unseres leistungsstarken und für alle zugänglichen Gesundheitswesens die Einsicht wichtig, dass nicht per se das Sparen zählt, sondern die Qualität der Versorgung. Beziehungsweise der Gegenwert, den wir pro eingesetzten Franken dafür erhalten – der Wert der Gesundheit eben.
Dabei bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen dem Wert, den Gesundheit für den Einzelnen hat, und dem Wert der Gesundheit für die Gesellschaft als Ganzes. Wer krank wird, will bestmöglich behandelt werden. Und als Gesellschaft, das hat die Corona-Pandemie gelehrt, wollen wir ein System, das ausserordentlichen Situationen standhält – rund um die Uhr. Entsprechend investieren wir viel ins Gesundheitswesen – finanziell wie personell. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung will das so. Die Abstimmung über die Pflegeinitiative hat das klar gezeigt. Eine positive Grundstimmung zum «Wert der Gesundheit» zeigen auch Umfragen, wo das Gesundheitswesen regelmässig gut abschneidet. Diese positive Stimmung kontrastiert scharf mit dem aktuellen gesundheitspolitischen Klima. Ein Klima, das immer ruppiger wird und wo Extremlösungen immer salonfähiger werden, weil der Regulator die Geduld mit endlos streitenden Gesundheitsakteuren verliert und Reformen durchdrückt.
Zielbild für ein künftiges Gesundheitswesens
Dass Kostenziele Verlustreflexe und Umverteilungskämpfe auslösen und damit primär defensives Kurzfristdenken provozieren, liegt auf der Hand. Aber darüber zu schimpfen und «Gesundheitsbeamten» ob solcher Avancen die Gesundheitskompetenz abzusprechen, entspannt die Situation eben auch nicht – im Gegenteil. Die Lage entspannt sich erst, wenn wir miteinander ein Zielbild für ein künftiges Gesundheitswesens entwickeln, das den Wert der Gesundheit erhöht und gleichzeitig die Gesamtkosten verringert. Das setzt den Willen und die Fähigkeit aller Akteure voraus, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und gemeinsam Verantwortung für die Patienten und ihre Behandlungskosten zu übernehmen. Nur durch Mitverantwortung entsteht eine gemeinsame Vorstellung, wie ein nachhaltiges und durchgängig organisiertes Gesundheitswesen aussehen und was dieses leisten soll.
«Denkt denn hier jemand auch an mich?»
In den Diskussionen spielen die, um die sich im Gesundheitswesen alles drehen sollte, nicht wirklich die entscheidende Rolle. Die Hauptrolle besetzen die Gesundheitsbehörden und Krankenkassen als «Anwälte oder Treuhänder der Prämienzahlenden». Sie prägen den gesundheitspolitischen Diskurs. Die Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Pfleger, Spitäler und Heime sowie die Industrie stehen derweil eher in der Defensive, beteiligen sich leidenschaftlich reaktiv und setzen sich mit Fug und Recht für ihre Überzeugungen ein. Die Frage ist: Wo bleiben hier die Patientinnen und Patienten? Der Präsident einer grossen Patientenorganisation gab dazu einst in einem Gastbeitrag in der NZZ eine Antwort, die tief blicken lässt. Mit frustriertem Blick auf bisweilen schleppende Zulassungsprozesse bei Medikamenten und MedTech Produkten zwischen Staat und Industrie schrieb er: «Als Patient schaut man ungläubig zu und fragt sich: ‘Denkt denn hier jemand auch an mich?’»
Das ist die entscheidende Perspektive, wenn wir vom «Wert der Gesundheit» reden. Wenn von Patientenseite Zweifel bestehen, dass wir sie in allen Lebensphasen darin unterstützen wollen, dass sie ihre Gesundheit erhalten, wiederherstellen oder trotz Krankheit ein gutes Leben führen können – wenn wir diesen Anspruch nicht erfüllen, dann machen wir unsere Arbeit ungenügend. Nur wenn wir die Patientinnen und Patienten mit einbeziehen, können wir eine genügende Note erwarten. Erfolg verspricht dabei «integrierte Versorgung und interdisziplinäre Zusammenarbeit». Ein Ansatz, der auch bei den Kostenträgern immer mehr Auftrieb erhält, weil er Effektivität und Effizienz vereint. In dieselbe Richtung zeigt auch eine PwC-Studie, in der kürzlich eine übergreifende Vision für das Gesundheitswesen skizziert wurde. Dokumentiert sind darin auch konkrete Kooperationsprogramme zwischen diversen Leistungserbringern und Kostenträgern. Genau das ist die Idee vom «Wert der Gesundheit». Sie ist nicht nur für Patientinnen und Patienten gut, sondern auch für die Prämienzahlenden. Denn erstens lassen sich damit unnötige Kosten eindämmen. Und zweitens schaffen wir ein Klima, in dem Innovationen entstehen, gedeihen und umgesetzt werden.
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