Vergleichsdienste im Vergleich

Die Vergleichsdienste wollen den Prämienwirrwarr transparent machen, sind aber selber nicht immer transparent.

, 27. September 2023 um 13:48
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Die Prämien 2024 sind bekannt - die Prämienrechner haben Hochkonjunktur. «Doch nur wenige Prämienrechner sind unabhängig oder machen transparent, dass bei den Empfehlungen auch kommerzielle Interessen im Spiel sind», schreibt der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe.
Bestes Beispiel sei die Visana, einer der grössten Krankenversicherer der Schweiz. Wie Medinside hier berichtet, betreibt die Berner Krankenkasse über eine Tochtergesellschaft ein Vergleichsportal, in dem das Wortfragment «admin» enthalten ist. Damit suggeriere die Visana, dass es sich bei der Website um eine unabhängige staatliche Anlaufstelle der Bundesverwaltung handle.

Ohne Impressum

Bei anderen Portalen sind die Angaben zur Betreibergesellschaft laut «Beobachter» unvollständig oder veraltet, wiederum andere führten nicht einmal ein Impressum auf. «Wer die Prämie seiner Grundversicherung vergleichen will, ist bei diesen Plattformen schlecht beraten», schreibt das Wochenmagazin. Es sei nicht immer klar, ob es sich auch wirklich um die günstigste Prämie handle. Denn die Portalbetreiber kassieren für die Vermittlung Provisionen.
Der Pionier der Vergleichsportale ist Comparis. Er erzielt einen jährlichen Umsatz von 6 bis 10 Millionen Franken, letztes Jahr waren es 9 Millionen.

40 Franken pro Offerte

Für jede Offerte, die Comparis ausstellt, kassiert das Portal 40 Franken. Comparis nimmt für sich in Anspruch, «unabhängig und eigenständig» zu sein.
Wie aber der «Beobachter» moniert, ist auch bei Comparis nicht immer die Versicherung mit der günstigsten Prämie zuoberst aufgelistet. Zuoberst steht bisweilen das Angebot einer Krankenkasse, die für den Spitzenplatz eine Sondergebühr bezahle.
Immerhin seien solche Resultate als «Anzeige» markiert. Für Nutzer unklar sei hingegen der Hintergrund von Labels wie «bestes Kundenportal», «richtig gut versichert» oder «Ihre Leistungen schnell erstattet».

Spendenfinanzierte Swupp.ch

Ganz ohne Provisionen der Krankenkassen kommt laut «Beobachter» das Vergleichsportal Swupp.ch aus. Die private, nicht kommerzielle Plattform des Versicherungsmathematikers John Ansgar lebe von Spenden, sei aber auch nach über zehn Jahren nicht selbsttragend.
Ebenfalls keine Provisionen kassiert der Konsumentenschutz mit seinem neuen Prämienrechner. Sowohl bei Swupp als auch beim Konsumentenschutz kann man nach einem Vergleich der Angebote die entsprechenden Briefe für den Kassenwechsel gleich herunterladen und ausdrucken.
Der «Beobachter» wörtlich: Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt den offiziellen Prämienrechner des Bundesamts für Gesundheit (BAG).»
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