So prekär ist die Situation am Kinderspital Bern

Angestellte des Kinderspitals Bern machen Missstände publik.

, 23. November 2023 um 07:49
image
Oft fehlt die Zeit, damit sich das Spitalpersonal genügend um die kleinen Patienten kümmern kann. | Freepik
Geldsorgen, Stellenabbau und Fachkräftemangel – die Situation an Schweizer Kinderspitälern ist seit Jahren prekär. Dabei sei die Versorgung der kleinen Patienten teils schwierig zu gewährleisten, und es komme immer wieder vor, dass etwas übersehen werde, weil die Zeit fehle: Dies sagt Barbara Kohler, Neuropsychologin an der Kinderklinik der Insel Bern, gegenüber Radio SRF.
Recherchen des Radio-Regionaljournals Bern Freiburg Wallis zeigten am Beispiel der Kinderklinik des Berner Inselspitals die Missstände.
So berichen Pflegefachleute, dass sie ständig einspringen müssten und es viele Doppelschichten gäbe. Manchmal bliebe nicht einmal mehr Zeit für den Gang aufs WC. In Spitzenzeiten seien auch schon vier Intensivpatienten gleichzeitig betreut worden. Normalerweise ist hier eine Eins-zu eins-Betreuung vorgesehen. Ebenso bliebe kaum Zeit, um ein Kind waschen zu können.
Als Folge der Überlastung geschähen immer wieder schwerwiegende Fehler. Deshalb gründete Barbara Kohler eine 'Awareness Gruppe': «Es ist gut möglich, dass man nach einer Nachtschicht am Morgen merkt, dass man vielleicht etwas übersehen hat, weil man zu wenig Zeit hatte.» Die Gruppe fordert eine Lösung auf nationaler Ebene, um die Situation in der Kindermedizin zu verbessern.

Im Dilemma

Matthias Kopp, ärztlicher Leiter der Kinderklinik der Insel, relativiert die Vorwürfe: «Ehrlicherweise passieren in einem Krankenhaus nicht nur Fehler bei Überbelastung, sondern auch im Normalbetrieb. Man darf nicht den Schluss ziehen: Zunehmende Belastung führt zu mehr Fehlern.»
Die Situation sei nicht nur in Bern schwierig, sondern ein grundsätzliches Problem der Kindermedizin, gibt Kopp zu bedenken: «Unsere Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Sachen wie Doppelschichten nicht passieren. Andererseits haben wir einen Versorgungsauftrag gegenüber den kranken Kindern.» Um diesen zu erfüllen, seien Doppelschichten manchmal nicht zu vermeiden.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Zufriedenheitsbefragung 2023: Top-Noten für Akut- und Kinderspitäler

33'800 Patienten wurden befragt. Speziell zufrieden ist das Publikum mit der 'Verständlichkeit der Auskünfte'.

image

Kantonsspital Aarau schliesst Kinderarztpraxis im Bahnhof

Es ist ein weitere Folge des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen.

image

Insel Gruppe: Mehr Luxus für Halbprivat- und Privatversicherte

Das Inselspital bietet in einem eigenen Bereich das Angebots-Paket einer Privatklinik – mit Aussicht und personalisierter Betreuung.

image

Deutschland: Nach Corona gab es keine Kündigungswelle in der Pflege

Im Covid-Stress bekundeten viele Pflegefachleute, dass sie den Beruf wechseln wollen. Aber nichts da.

image

Pflegepersonal spürt weniger Druck – hat aber mehr Arbeit

Der neue «Spitalpflegereport Schweiz» besagt: Das Personal fühlt sich weniger gestresst. Aber es hat mehr Überstunden.

image

Schaffhausen schickt 38-Stunden-Woche für Pflegepersonal bachab

Zu teuer – und ein heikles Signal: Der Kantonsrat wandte sich deutlich gegen eine Arbeitsreduktion für Pflegende im Schichtbetrieb.

Vom gleichen Autor

image

Wegen EU-Bürokratie: Deutschland fehlt es an medizinischen Instrumenten

Viele Hersteller nehmen ihre Medizinprodukte vom Markt oder lancieren sie in Europa gar nicht erst – wegen einer neuen Verordnung.

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

CEO der Krebsliga wird COO der Tertianum Gruppe

Daniela de la Cruz übernimmt ihre neue Funktion im September.