Geldsorgen, Stellenabbau und Fachkräftemangel – die Situation an Schweizer Kinderspitälern ist
seit Jahren prekär. Dabei sei die Versorgung der kleinen Patienten teils schwierig zu gewährleisten, und es komme immer wieder vor, dass etwas übersehen werde, weil die Zeit fehle: Dies sagt Barbara Kohler, Neuropsychologin an der
Kinderklinik der Insel Bern, gegenüber Radio SRF.
So berichen Pflegefachleute, dass sie ständig einspringen müssten und es viele Doppelschichten gäbe. Manchmal bliebe nicht einmal mehr Zeit für den Gang aufs WC. In Spitzenzeiten seien auch schon vier Intensivpatienten gleichzeitig betreut worden. Normalerweise ist hier eine Eins-zu eins-Betreuung vorgesehen. Ebenso bliebe kaum Zeit, um ein Kind waschen zu können.
Als Folge der Überlastung geschähen immer wieder schwerwiegende Fehler. Deshalb gründete Barbara Kohler eine 'Awareness Gruppe': «Es ist gut möglich, dass man nach einer Nachtschicht am Morgen merkt, dass man vielleicht etwas übersehen hat, weil man zu wenig Zeit hatte.» Die Gruppe fordert eine Lösung auf nationaler Ebene, um die Situation in der Kindermedizin zu verbessern.
Im Dilemma
Die Situation sei nicht nur in Bern schwierig, sondern ein grundsätzliches Problem der Kindermedizin, gibt Kopp zu bedenken: «Unsere Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Sachen wie Doppelschichten nicht passieren. Andererseits haben wir einen Versorgungsauftrag gegenüber den kranken Kindern.» Um diesen zu erfüllen, seien Doppelschichten manchmal nicht zu vermeiden.