Zum Abschied ein Brief auf Deutsch

Eine bemerkenswerte Idee haben wir in einer deutschen Paracelsus-Klinik gefunden: Am Ende der Behandlung erhalten die Patienten einen medizinischen Bericht – verfasst in Alltagssprache.

, 2. Dezember 2015 um 16:53
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Das Projekt «Was hab ich?» haben wir hier ja auch schon präsentiert, es wurde in Deutschland schon mehrfach ausgezeichnet: Dabei übersetzen Medizinstudenten – ehrenamtlich – ärztliche Befunde auf Alltagsdeutsch. Jetzt tun sich die Macher von «Was hab ich?» mit den Paracelsus-Kliniken zusammen – also einer Gesundheitsgruppe mit rund 40 Einrichtungen. Gemeinsam lancieren sie eine neue praktische Idee. 
Und zwar: Die Patienten erhalten nach der Entlassung einen Brief, in dem die Befunde individuell für sie erläutert werden – in Alltagssprache. Der Versuch ist jetzt in der Paracelsus-Klinik Bad Ems angelaufen und vorerst für ein Jahr veranschlagt.

Verständnisprobleme sind bildungsunabhängig

Im Hintergrund steht, dass viele Menschen den Bekannten oder Verwandten gar nicht recht erklären können, was nun medizinisch Sache ist bei ihnen – und sie vergessen auch innert Kürze bis zu 80 Prozent der Informationen, die ihnen der Arzt gegeben hat. 
«Die Verständnisschwierigkeiten von medizinischen Erläuterungen sind unabhängig von Bildung, Alter und Geschlecht», sagt Ansgar Jonietz, Geschäftsführer bei «Was hab‘ ich?». Und auf der anderen Seite sagt der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung bei den Paracelsus-Kliniken, Manfred Georg Krukemeyer: «Der mündige Patient muss seine Erkrankung verstehen, um sich gemeinsam mit dem Arzt für eine bestimmte Therapie entscheiden zu können. Als Grundlage für seine Gesundheitskompetenz benötigt er individuelle und leicht verständliche Gesundheitsinformationen.»

Partnerschaftlicher Dialog

Konkret läuft das Pilotprojekt in Bad Ems so: Jeder Patient der Inneren Abteilung erhält den vorläufigen Arztbrief, der nach dem stationären Aufenthalt an den weiterbehandelnden niedergelassenen Arzt geht, als übersetzten Patientenbrief nach Hause geschickt. Die Arztbriefe werden von Mitarbeitern von «Was hab‘ ich?» übersetzt; die Kosten trägt komplett die Klinik. Das Gemeinschaftsprojekt wird aber auch vom deutschen Gesundheitsministerium bis Ende 2016 gefördert. 
Die Macher der Paracelsus-Kliniken hoffen, dass das Projekt auch die Art verändert, wie Patienten mit ihren Ärzten reden, und dass der Dialog partnerschaftlicher wird. 
In einem Jahr soll Bilanz gezogen und geschaut werden, wie man weitermacht mit den Patientenbriefen. «Über das ob redet eigentlich keiner», sagt Paracelsus-Manager Krukemeyer.
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