Wie deutsche Pflegefachleute die Arbeit in der Schweiz beurteilen

In der führenden Social-Media-Gruppe für Pflegeprofis tauschten sich die Mitglieder über die hiesigen Arbeitsbedingungen aus. Fazit: Eine grosse Mehrheit ist sehr zufrieden – insbesondere mit den Arbeitgebern.

, 4. Januar 2017, 08:12
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Eine der Social-Media-Gruppen, die wir hier gern empfehlen, ist «Krankenschwestern und Krankenpfleger» auf Facebook. Fast 35'000 Mitglieder aus dem Fach tauschen sich hier aus – und zwar sehr aktiv. Wer Tipps will, erhält stets Antworten, und wer eine Problem debattieren möchte, findet hier sicher Informationen von Pflegeprofis.
Jüngst stellte nun eine der Gruppen-«Krankenschwestern» eine vielsagende Frage: «Hallo, ist einer von Euch zum Arbeiten von Deutschland in die Schweiz gegangen und kann mir seine Erfahrungen mitteilen?»

«…und würde nie mehr zurückgehen»

Darauf setzte es bislang über 60 Antworten. Und sofern sie die Stimmung unter den deutschen Pflege-Profis in der Schweiz vermitteln, dann zeigt sich: Die hiesigen Spitäler, Kliniken und Heime haben immer noch viel zu bieten.
Denn die Antworten vielen mit einer klaren Mehrheit positiv aus. Auf eine kritische Stimme kamen rund sechs positive Einschätzungen. Reihenweise kamen Urteile wie:
  • Ich bereue die Entscheidung auf gar keinen Fall und könnte in diesem Beruf nie wieder in Deutschland arbeiten...
  • Ich bin auch seit 9 Jahren in der Schweiz und würde nicht mehr zurückgehen.
  • Eine gute Bekannte ist total überzeugt, mehr Gehalt, man kann/darf viel mehr machen.
  • Ich habe in Bern auf einer Radio-Onkologie gearbeitet… Qualitativ beste Einarbeitung, super Bezahlung, günstig im Schwesternwohnheim gewohnt, so daß ich monatlich ca. 1000 Euro netto mehr in der Tasche hatte als hier.
  • Meine Kollegin hat da gearbeitet. Ein Traum.
Dass die Arbeitsbedingungen in der Schweiz eher besser sind, ist ja bekannt – aber aus den hier auf Facebook geäusserten Stimmen spricht doch eine sehr umfassende Zufriedenheit. Mehrfach erwähnt wird, dass die Pflege hier einen höheren Stellenwert geniesst und dass ihr mehr Kompetenzen zugesprochen werden.

Der Verdienst allein ist es nicht

Und: Die bessere Gehalts-Situation erscheint eher als zweitrangiger Aspekt. Einige Einzel-Debatten drehen sich um die Frage, ob man denn unterm Strich wirklich mehr verdient. Die deutschen Pflegerinnen und Pfleger mit Schweiz-Erfahrung stellen denn auch gleich klar, dass nicht alles Gold ist, was hier von aussen zu glänzen scheint: Nach Lebenshaltungskosten und schlechteren sozialen Angeboten, etwa in der Kinderbetreuung, sei der Verdienst noch kein Grund für den grossen Umzug.
Bin seit 10 Jahren in der Schweiz und sehr zufrieden. Man hat anständige Arbeitsbedingungen und wird auch gut entlöhnt.
Dies in etwa ein Fazit. Oder eine weitere positive, aber eben auch durchaus realitätsbezogene Antwort:
  • Die Arbeitsbedingungen werden hier euch zunehmend schlechter (dennoch für unsere deutschen Augen immer noch sehr, sehr gut), es gibt vor allem in den nicht grenznahen Gebieten gerade einen extremen Personalmangel, der auch in den nächsten Jahren nicht besser wird, weil die Inländer diesen Beruf kaum noch ergreifen wollen. Hat verschiedenen Gründe.
  • Die Kompetenzen sind hier höher, es wird mehr erwartet, da es für viele Tätigkeiten auch noch die anderen Berufsgruppen hat, die «Diplomierten» machen vor allem die Medizinalpflege usw.
  • Ich kann es selbst nur empfehlen. Habe mich von der ersten Sekunde an sehr willkommen und mit meinem Beruf sehr wertgeschätzt gefühlt!
Solche Äusserungen sind durchaus bemerkenswert in Zeiten, wo ja auch davon zu lesen ist, dass die Schweiz für deutsche Gesundheitsprofis an Attraktivität verlieren soll. Allerdings: Es gibt tatsächlich vereinzelte kritische Stimmen. 

Was ist die richtige Erwartungshaltung?

Dabei fällt etwas auf: Die Kritik richtet sich nicht gegen Arbeitgeber und Jobbedingungen in der Schweiz – kein einziges Mal. Vielmehr dreht sie sich eher um das allgemeine gesellschaftliche Klima, um das Gefühl, als Deutsche nicht willkommen zu sein:
  • Ich habe in der Schweiz gearbeitet als Grenzgänger. Kommt für mich nicht mehr in Frage. Habe mich sehr unwohl gefühlt.
  • Ich würde es auch auf keinen Fall mehr machen, habe mich sehr unwohl gefühlt......Habe es sehr deutlich zu spüren bekommen, dass ich Ausländer bin.....Nie wieder.....Es ist nicht alles Gold was glänzt.
Worauf ein Gruppenmitglied mit Schweiz-Erfahrung vielleicht auf einen entscheidenden Punkt verweist: Ob man zufrieden wird mit einem Pflege-Job in der Schweiz – dies hängt auch davon ab, was man sich davon erhofft.
  • Man muss eben genau hinsehen. Es gibt auch genügend Deutsche, die in der Schweiz eben nicht zurecht gekommen sind bzw. mit zu hohen Erwartungshaltungen in die Schweiz gegangen sind, und bitter enttäuscht wieder zurück nach Deutschland sind. 
  • Bild: Rum River Photography | Twenty20
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