Wie bekämpft man den Personalmangel? Ganz einfach – mit einer Krippe

Und wie motiviert man Blutspender? Ganz einfach: per SMS. Wir haben ein paar Ideen gefunden, die auch die hiesige Gesundheitsbranche inspirieren könnten. Plus: Die pfiffigste Präventions-Kampagne seit langem.

, 3. Juli 2015, 06:29
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Fünf Generationen unter einem Dach

Die erste Idee kommt aus Norddeutschland: Das Günter-Lütgens-Haus ist ein Pflegeheim in Kiel, und wie viele solcher Institutionen litt es unter Personalmangel. Um die oft jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten, kam die Leitung auf die Idee, dass im Bereich der Kinderbetreuung etwas zu tun wäre. Und am Ende vollzog sie quasi eine Generationen-Fusion.
Konkret: Das Alters- und Pflegeheim tat sich mit einer Kinderkrippe zusammen und integrierte sie ins Haus. Die Lösung hatte nicht nur den Vorteil, dass man den Mitarbeiterinnen nun gleich beim Arbeitsplatz einen Ort zur Kinderbetreuung bieten kann; sondern darüber hinaus beleben die Kinder auch das Heim. Inzwischen finden regelmässig gemeinsame Aktionen statt. Das Projekt «Fünf Generationen unter einem Dach» erhielt auch den deutschen «Altenheim Zukunftspreis» 2014. 

SMS für Lebensretter

Die zweite Idee kommt aus Schweden: Dort hat der Blutspendedienst ein Tracking-System eingerichtet, bei dem die Spender per SMS informiert werden, wenn ihr Blut einem Menschen das Leben gerettet hat. Und bereits nach der Spende bekommen die Spender ein «Dankeschön»-Text zugesandt.
Die Idee wurde erst in Stockholm umgesetzt, jetzt wird sie im ganzen Land ausgeweitet. Erfolgreich wurde sie nicht nur, weil sie Spender zur Rückkehr motiviert, sondern weil damit insgesamt das Thema Blutspende eifriger ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kam, zum Beispiel durch Debatten und Hinweise auf Social-Media-Plattformen.
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Wie steht es um die Blutbestände in meiner Gegend in diesem Augenblick? Ausschnitt aus einer regionalen Website des schwedischen Blutspende-Dienstes.
Kommt hinzu, dass die schwedischen Gesundheitsbehörden eine Website betreiben, auf der sich die Vorräte an Blut nachverfolgen lassen – und wo man sieht, wenn die Lage bei seiner Blutgruppe langsam akut wird. Auch dies soll dazu sensibilisieren, wieder mal zur Blutspende zu gehen.

Video-Dolmetscher für den Arzt

Die dritte Idee bekämpft die Sprachhürden, welche Mediziner fast täglich überspringen müssen und die oft sogar den Behandlungserfolg bedrohen. Eine Klinik in Wien hat sich nun ein Video-Dolmetscher-System eingerichtet, auf das Arzt und Patient im Notfall zugreifen können. Einfach einschalten – und man bekommt eine Online-Leitung zu einer Übersetzerfirma. 
Dort gibt es innert zwei Minuten Kontakt zu einem Dolmetscher; die dreissig wichtigsten Migrantensprachen stehen zur Auswahl. Der Sprach-Service beläuft sich auf 30 Euro pro Viertelstunde (ein Preis, der in der Schweiz immer noch einen Tick höher wäre, aber in sicherheitsrelevanten Fällen vielleicht doch von Vorteil).

«Melanoma likes me»: So geht Prävention heute.

Eine buchstäblich sehr auffällige Gesundheits-Kampagne kommt aus Australien, sie fiel jetzt beim Werberfestival in Cannes auf: «Melanoma likes me» holte einen Silber-Löwen. Eine australische Patientenorganisation warnt damit vor dem schwarzen Hautkrebs. 
Die Idee dahinter: Wenn immer sich jemand auf Instagram oder Facebook oder Twitter mit einem schönen Sonnen-, Strand- oder Sonnenbrand-Bild inszenierte, meldete sich auch die Social-Media-Figur «Melanoma». Sie folgte, freundete sich an, vergab fröhlich Likes (wobei sie sich beispielsweise über das «Killerwetter» freute) – und war fortan als Teil ständiger Begleiter der jungen Leute. 
«Melanoma» im Social-Media-Freundeskreis wurde dann eine ständige Mahnung an die Einzelnen, dass der Hautkrebs bei den 15- bis 30-Jährigen die häufigste Krebsart ist. In einer späteren Phase streute «Melanoma» auch Informationen, indem sie beispielsweise Bilder von sich zeigte – eben von Melanomen.
Die Aktion erreichte Millionen junger Leute – mit Millionen einzelner Botschaften.

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