Neu im Angebot: Die Gebärmuttertransplantation

Eine führende US-Klinik bietet erstmals Gebärmuttertransplantationen an und macht damit tausenden von unfruchtbaren Frauen Hoffnung auf ein Kind. Das Organ wird wieder entfernt, wenn es seinen Dienst verrichtet hat.

, 17. November 2015, 08:25
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Transplantationen von Nieren, Lebern oder Herzen gehören zum Standard in der Medizin; sogar an Meldungen über verpflanzte Arme oder Gesichter hat man sich gewöhnt. Ein Organ bereitete den Wissenschaftlern bis vor kurzem allerdings zu viele Schwierigkeiten für die Transplantation: die Gebärmutter.  
Nun hat die amerikanische Cleveland Clinic als erste namhafte Klinik angekündigt, Gebärmuttertransplantationen durchzuführen. Sie sollen in den nächsten Monaten im Rahmen eines klinischen Versuchs bei zehn Frauen stattfinden. 

Für Frauen im gebärfähigen Alter

Das Programm steht allen Frauen im gebärfähigen Alter offen, die keine Kinder bekommen können, weil sie entweder über keine Gebärmutter verfügen oder die Gebärmutter nicht oder nicht mehr funktionsfähig ist. 
Die Frauen werden umfassend medizinisch und psychologisch betreut und müssen einwilligen, dass ihnen Eizellen entnommen und diese dann eingefroren werden, um sie schliesslich in das transplantierte Organ einzusetzen. 

Das Organ als Leihgabe

Die Organe stammen von gestorbenen Spenderinnen und werden nur temporär eingepflanzt. Jede Gebärmutter wird wieder entnommen, sobald der Nachwuchs auf der Welt ist. Dies darum, um Abstossungsreaktionen zu minimieren. Die Abstossung ist der wichtigste Grund, warum Versuche mit Gebärmuttertransplantationen bis vor kurzem immer scheiterten. 
Bis zum September 2014. Damals gelang einem Team der Universität Göteborg die erste Geburt nach einer Gebärmuttertransplantation.

In-Vitro-Befruchtung

Eine 36jährige Frau gebar einen Jungen, die ohne Gebärmutter, aber mit funktionierenden Eierstöcken auf die Welt gekommen war. Ihr wurden Eizellen entnommen, in vitro befruchtet und dann in das Spenderorgan eingesetzt, welches von einer 61jährigen Freundin der Frau stammte. 
Sie war die erste von neun Frauen, die an einer Studie teilnahmen. Gemäss einem Bericht des britischen Telegraph sind bislang in Schweden neun Gebärmuttertransplantationen geglückt, die in fünf Schwangerschaften und vier Lebendgeburten mündeten. 
Die Methode, welche nun in der Cleveland Clinic angewendet wird, basiert auf den schwedischen Erkenntnissen.  

Ethische Fragen

Laut New York Times berührt die Gebärmuttertransplantation eine neue Grenze der Transplantationsmedizin, die nicht nur medizinische, sondern auch ethische Fragen aufwirft. Sollte die Methode gelingen, gebe es alleine in den USA 50'000 Anwärterinnen. 
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