Tarmed: Kritischer Unterton gegen die Ärzte

Erste Reaktionen auf den Tarifeingriff des Bundesrates fallen tendenziell positiv aus. Eher wird kritisiert, dass das Paket zu verhalten sei.

, 22. März 2017 um 13:45
image
  • tarmed
  • praxis

FMH: Eingehend prüfen

Das umfangreiche Massnahmenpaket des zweiten Tarifeingriffes werde «die freipraktizierenden Ärzte und Spitalambulatorien teils erheblich finanziell treffen», kommentiert der Ärzteverband FMH: «Der Bundesrat plant neben den Einführungen zusätzlicher Abrechnungsregeln direkte Eingriffe in die Tarifierung». Die FMH erinnert daran, dass sie ein eigenes Revisionsprojekt namens Tarco lanciert hat, welches ebenfalls eine sachgerechte und betriebswirtschaftliche Tarifierung aller ambulanten ärztlichen Leistungen bezweckt.
Derweil werde man die Vorschläge des Bundesrats eingehend prüfen und zu einem späteren Zeitpunkt umfassend kommentieren.

Santésuisse: Trotzdem – es braucht Pauschalen

«Die Tarifpartner santésuisse und fmCh Tarifunion bezweifeln, dass mit einem nach wie vor sehr differenzierten Einzelleistungstarif eine spürbare Kostensenkung möglich ist»: Dies eine Einschätzung der Krankenkassen Vertretung. Es sei eine verpasste Chance, dass der Bundersrat nicht bei dieser Gelegenheit ambulante Pauschalen einzuführen warte – denn dies wäre eine «wesentlich zukunftsträchtigere Lösung» gewesen.
Der Punkt sein nämlich, dass bei einem Einzelleistungs-Tarif die angestrebten kostendämpfenden Massnahmen durch eine Mengenausweitung unterlaufen werden können. «Darüber hinaus vereinfachen Pauschalen das Tarifsystem wesentlich», so das Communiqué von Santésuisse.
Santésuisse und fmCh Tarifunion bleiben also dran: Sie werden die Ausarbeitung eines nationalen Tarifvertrages basierend auf Pauschalen in Angriff nehmen. 
image

Curafutura: Nur ein Zwischenschritt

Der Verband von CSS, Helsana, Sanitas und KPT zeigt sich befriedigt, dass der Entwurf des Bundesrates «verschiedene Massnahmen» aufnimmt, die Curafutura selber vorgeschlagen hatte. Dass die Regierung jetzt sogar noch weiter gehende Einsparungen von über 700 Millionen Franken anstrebt, unterstreiche die Ernsthaftigkeit des Anliegens. «Wir nehmen diesen Ball gerne auf und werden die Vorlage im Detail analysiere», so Curafutura-Direktor Pius Zängerle «Entscheidend ist für curafutura, dass der Tarifeingriff umgehend eine spürbare Wirkung erzielt.»
Der «völlig berechtigte» Tarifeingriff könne aber nur ein Zwischenschritt sein: «Ziel ist die Totalrevision der veralteten Arzttarifstruktur.»
image

Stiftung für Konsumentenschutz: Realitätsferne Ärzte

Dass mit dem Paket des Bundesrates jährlich 700 Millionen Franken gespart werden können, zeige eines – nämlich dass die bisherige Forderung der Ärzteschaft nach vier Milliarden Franken mehr für die exakt gleichen Leistungen realitätsfern ist.
Grundsätzlich sei der Eingriff der Regierung überfällig gewesen, so die Stiftung für Konsumentenschutz. Bedauerlich sei höchstens, dass Bundesrat und BAG nicht auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens ihre Kompetenzen wahrnehmen und solche dringend nötigen Entscheide fällen. 
image
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

An der ZHAW erwerben Sie das Knowhow für Schmerzbehandlungen

Um Chronifizierungen bei Schmerzen zu vermeiden, müssen alle Behandelnden gut zusammenarbeiten. Dies vermittelt das Masterstudium «Interprofessionelles Schmerzmanagement» an der ZHAW.

image

Tardoc: Haus- und Kinderärzte protestieren

Der Verband mfe fordert in deutlichen Ton die Einführung des neuen Tarifsystems auf spätestens 2026.

image

MFE Haus- und Kinderärzte: Umbau an der Spitze

Präsident Philippe Luchsinger ist zurückgetreten. Monika Reber und Sébastien Jotterand lösen ihn ab. Und es gab weitere Wechsel im Verband.

image

Wallis soll ein Institut für Hausarztmedizin erhalten

Das neue Programm könnte in wenigen Jahren starten.

image

Dem Tardoc droht eine weitere Ehrenrunde

Das Departement des Innern will das Tarifwerk Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen. Neue Zielmarke: 2027.

image

Deutschland: «Wir haben 50’000 Ärzte zuwenig ausgebildet»

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer ganz schwierigen Versorgungslage: «Das kann man sich noch gar nicht richtig vorstellen.»

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.