Tagesklinik am Bellevue Zürich: Volle Ampulle

Rost auf Instrumenten und WCs als Umzugsraum: Ein Bericht wirft ein Schlaglicht auf trübe Ecken im Gesundheitswesen.

, 5. Juli 2017, 10:09
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Die Schränke seien vollgestopft. Im Kühlschrank finde man neben den Medikamenten zugleich Lebensmittel. Auch liegen angebrochene Ampullen herum, ferner Ampullen ohne Anschrift oder Salben jenseits des Ablaufdatums.
Dies einige Häppchen aus einem Durchsuchungs-Bericht zur so genannten «Tagesklinik am Bellevue» in Zürich; der Bericht war zur TV-Sendung «Schweiz aktuell» gelangt, welche ihn gestern auswertete.
Die Klinik für «Medizin und Ästhetik» war im Februar 2015 von der Zürcher Gesundheitsdirektion per sofort geschlossen worden. «Wir haben vor Ort einen Augenschein genommen», sagte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger damals im Schweizer Fernsehen: «Gestützt darauf haben wir entschieden, dass die Patientensicherheit nicht gewährleistet ist.»

Falsch gelagerte Medikamente

Das Unternehmen befindet sich seither in Liquidation. Zugleich laufen aber auch strafrechtliche Ermittlungen gegen den Klinikleiter: Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht auf Verstösse gegen das Heilmittelgesetz – weil in der Schönheitsklinik womöglich Medikamente eingesetzt wurden, die in der Schweiz nicht zugelassen sind. Der Druck entstand damals aber insbesondere, weil diverse Patientinnen Pfusch-Vorwürfe gegen den in der Klinik tätigen Belegarzt Peter Meyer-Fürst erhoben hatten.
Im Rahmen der Abklärungen kam es zweimal zu Hausdurchsuchungen in der Klinik: erst im Dezember 2014 durch die Staatsanwaltschaft, dann 2015 durch die Heilmittelkontrolle.
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Screenshot SRF

Zum Beitrag: «Gravierende Missstände in der Tagesklinik Bellevue», SRF «Schweiz Aktuell», 4. Juli 2017.

Wie «Schweiz aktuell» nun erfuhr, stiess diese auf «grosse Mengen» von abgelaufenen, falsch beschrifteten und gelagerten Medikamenten. Auch wird berichtet von Medizinprodukten mit Rostablagerungen. Und die Personaltoilette werde zugleich benutzt als «Waschraum, Küche, Aufenthaltsraum und Umkleideraum für Operateure».
Im Bericht kommt auch Erika Ziltener vom Dachverband der Patientenstellen zu Wort: Nicht nur der Klinikleiter, sondern auch die Belegärzte seien bei solchen Zuständen verantwortlich. «Wer dort gearbeitet hat, hat gesehen, dass die Sicherheit der Patienten nicht gewährleistet werden kann.»
Der Klinikleiter gab seine ärztliche Berufsausübungs-Bewilligung im Kanton Zürich 2015 ab, beantragte aber 2016 wieder eine Zulassung in den Kantonen Aargau und Schwyz. Diese wurde von den Kantonsbehörden gewährt – in Schwyz allerdings befristet bis zur definitiven Klärung des Strafverfahrens wegen Verstössen gegen das Heilmittelgesetz. Der Fall liegt noch bei der Staatsanwaltschaft, eine Anklage erfolgte noch nicht.
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