Sind Gruppenpraxen wirklich Kostentreiber?

Santésuisse hat die Kostenentwicklung des letzten Jahres untersucht – und nimmt nun die Ärztezentren ins Visier.

, 7. März 2016, 07:39
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Sind Gruppenpraxis gar nicht so effizient? Krankenkassenverband Santésuisse sieht es so. In der jüngsten «NZZ am Sonntag» (Print) verwies Verbandsdirektorin Verena Nold auf den Kostenanstieg, der letztes Jahr bei den niedergelassenen Ärzten registriert werden musste: Er erreichte 5,9 Prozent – was für einmal mehr war als das Plus im ambulanten Spitalbereich; und mehr auch als die durchschnittliche Zunahme der Gesundheitskosten insgesamt, welche 3,6 Prozent erreichte.
Santésuisse überprüfte daraufhin die Zahlen en detail und kam zum Schluss, dass die Ärztezentren hier einen wichtigen Faktor bildeten: «Wir mussten feststellen, dass auch die Gruppenpraxen ein starker Kostentreiber sind», sagte Verena Nold in der NZZaS.

Pro Patient teurer als Einzelpraxis

Die Santésuisse-Daten brachten ans Licht, dass die Behandlungskosten pro Patient in den Gemeinschaftspraxen deutlich höher sind als bei Einzelpraxen. Am höchsten fielen sie dort aus, wo neben Allgemeinpraktikern auch noch Spezialisten anderer Fachrichtungen in der Gruppenpraxis tätig sind.
Bei allen Gruppenpraxen zusammen stiegen die Behandlungskosten zwischen 2014 und 2015 um satte 22,8 Prozent, erfuhr die «NZZ am Sonntag» weiter.

Gewinne an die Investoren?

Die Interpretation von Verena Nold: Gruppenpraxen neigen dazu, ihre Kosten zu optimieren – und es kommt dabei wohl zu Mengenausweitungen. «Und die Gewinne gehen dann an die Investoren und kommen nicht den Prämienzahlern zugute», so die Santésuisse-Direktorin.
Man kann die in der Sonntagspresse lancierte Aussage als frühe Warnung sehen: Gruppenpraxen schienen bislang unproblematisch – unterm Siegel HMO-Praxis galten sie ja geradezu auch als Sparmodell in der Grundversicherung. Auf der anderen Seite bilden sie ein Investitionsfeld, das derzeit sehr aktiv beackert wird. In den nächsten fünf Jahren dürften schweizweit mehr als 100 weitere Gruppenpraxen ihre Tore öffnen – was auch einer Investitionssumme von mehreren hundert Millionen Franken entspricht. 

Flaschenhals Ärztemangel

Warnend äusserte sich denn auch kürzlich erst Andy Fischer: Der Gründer von Medgate erwartet, dass in den nächsten fünf Jahren über eine Milliarde in die ambulante Grundversorgung fliessen werden – was zu viel sein könnte und einen Kostenanstieg im ambulanten Bereich nach sich ziehen dürfte. Fischers Firma Medgate, gross geworden mit Telemedizin, will selber in den nächsten Jahren etwa acht bis zehn Ärztezentren lancieren, primär in der Nordwestschweiz, in der Romandie und im Tessin.
Einen interessanten Grund zur Beruhigung bietet allerdings Felix Huber, Mitgründer von Medix: Der Ärztezentren-Markt sei doch langsam übersättigt, sagte Huber in der NZZaS, neue Projekte hätten es schwerer – «auch weil man kaum mehr gute Ärzte finde».
Dennoch: Santésuisse fordert nun, dass Ärzte nicht mehr alle Leistungen einzeln abrechnen; sondern dass man auch hier zu Pauschaltarifen wechsle – wie bei den Spitälern. 

Kostenentwicklung auf lange Sicht


In der langfristigen Perspektive zeigt sich: Bei den ambulanten Spitalabteilungen ist die Kostenentwicklung am steilsten. Laut Santésuisse-Daten stiegen hier die Kosten von 2005 bis 2014 um 66 Prozent. Pro versicherte Person bedeutete dies ein Plus von 253 Franken.
Bei den niedergelassenen Ärzten ergab sich zwischen 2005 und 2014 ein Kostenschub von 34 Prozent. Das heisst: Hier liegen die Kosten heute um 256 Franken höher als noch vor zehn Jahren.
Der stationäre Spitalbereich verbuchte im gleichen Zeitraum eine Kostensteigerung von 20 Prozent. Konkret stiegen hier die Kosten pro Person um 135 Franken auf 820 Franken pro Jahr. 
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