Roche übernimmt Diabetes-Plattform

MySugr wird bereits von gut 1 Million Diabetikern genutzt. Jetzt will es der Basler Pharmakonzern zur global führenden Digitalplattform in diesem Feld machen.

, 30. Juni 2017 um 07:37
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MySugr wurde 2012 lanciert und ist ein hübsches Beispiel dafür, wie eine App in der Medizin zu spürbaren Veränderungen führen kann. Das Programm wird heute von gut einer Million Diabetiker fürs Management der Glukosewerte genutzt, und inzwischen ist MySugr eine Art Rundum-Digitalplattform für Diabetiker, auf der sich auch beispielsweise Daten anderer Geräte einspielen und auswerten lassen. 
Jetzt übernimmt Roche das Wiener Startup – mit dem Ziel, es als führende offene Plattform für den digitalen Umgang mit Diabetes zu sichern. «MySugr sollte ins Zentrum seiner neuen digitalen Strategie wandern», schildern die App-Entwickler aus Wien die strategischen Ziele, welche Roche eröffnete. Und der Basler Pharmariese selber teilt mit, dass die Übernahme es erlaubten werde, «die führende Position im Bereich des Diabetes-Management auszubauen».

Überwachung, Schulung, Kommunikation

Mit MySugr kann man beispielsweise seine tägliche Ernährung auf Glukose- oder Kohlenhydrat-Werte hin beobachten, man kann Blutzuckerwerte eintragen und überwachen, oder unter dem Schlagwort «Academy» erhält man auf Wunsch Schulungen im Umgang mit Diabetes.
Ein wichtiger Aspekt des Deals: MySugr soll als unabhängiges Unternehmen weiterfunktionieren und eine offene Plattform sein. Das heisst: Es soll offen bleiben für alle Diabetes-Geräte und digitalen Dienste in diesem Bereich. Mehrfach betont die Mitteilung, dass MySugr auch stark als Vehikel dienen soll, um Gesundheitsdaten zwischen Patienten und Gesundheitsprofis auszutauschen.  

«Grösster Digital Health Deal in Europa»

Roche Diabetes Care ist seit rund 15 Jahren der globale Marktführer im Bereich Diabetes-Therapie. Die Basler waren bereits zuvor an MySugr beteiligt. Der Übernahmepreis wird nicht bekanntgegeben. Aber es sei «der grösste Digital Health Deal im engeren Sinne zumindest in Europa». Dies sagte einer der anderen Ursprungs-Investoren, Hansi Hansmann, gegenüber Österreichs Venture-Capital-Plattform «Der Brutkasten». Möglicherweise gebe es sogar weltweit keine grössere Akquisition in dem Bereich.
Roche sei als harter Verhandler aufgetreten, am Ende sei jedoch ein sehr guter Verkaufspreis ausverhandelt worden – ein «Super-Exit».
MySugr beschäftigt heute 47 Angestellte in Wien und San Diego. Die App isat erhältlich in 52 Ländern und in 13 Sprachen. Roche Venture Fund war bereits einer der frühen Investoren.

  • Zur Mitteilung von MySugr   |   Zur Mitteilung von Roche

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