Qualität: Geschichten von Rost und Verfall

Übers Wochenende wurden zwei ernste Fälle von Qualitätsverletzungen in der Schweizer Medizin bekannt – beziehungsweise Fälle, bei denen Swissmedic durchgreifen musste.

, 14. Januar 2018, 13:09
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Zum einen wurden zwischen 2007 und 2011 tausende Dosen eines Krebsmittels eingesetzt, die abgelaufen waren. Denn die Vertriebsfirma Alkopharma in Martigny hatte die Verfallsdaten verfälscht. Dies meldet die «Sonntagszeitung» unter Berufung auf Swissmedic-Quellen und Gerichtsdokumente.
Dabei geht es um Thiotepa, dessen Haltbarkeit mit 18 Monaten veranschlagt ist. Nachdem bei der Walliser Firma ab 2007 grosse Lagerbestände aufgelaufen waren, wurden dort kurzerhand neue Etiketten gedruckt und aufgeklebt.
Wie Swissmedic später herausfand, verkaufte Alkopharma zwischen 2007 und 2011 gut 128'000 Dosen Thiotepa – wobei bei 96'000 Fläschchen die Ablaufdaten gefälscht waren. Die meisten Dosen gingen nach Frankreich, 2’473 landeten aber in Schweizer Spitälern. 1'452 Dosen der heiklen Dosen kaufte das Inselspital, 400 gingen nach Genf, 220 ans Unispital Basel, 20 zur Kantonsapotheke Zürich.

Lediglich eine Busse

Der Fall ist nicht ganz neu: Bereits 2016 kam es in Brig zum Prozess, das Walliser Gericht verurteilte die zuständige Vertriebsleiterin und den Patron zu Bussen von 6’500 und 5’000 Franken.
«Meine Mandantin hat einen Fehler gemacht, den sie vollumfänglich zugibt», sagt der Anwalt der Vertriebsleiterin der «Sonntagszeitung». Doch man dürfe diesen nicht übertreiben. Sie habe lediglich eine Busse erhalten.
Doch Swissmedic beurteilt den Fall kritischer und hat ihn an die nächste Instanz gezogen. Diese Affäre sei «in ihrer Grössenordnung bisher einzigartig für die Schweiz».

Verräterische E-Mails

Im zweiten Fall richtet sich die Heilmittelbehörde Swissmedic direkt gegen Spitäler – konkret gegen USZ, Unispital Basel und Kantonsspital St. Gallen. Hier geht es um die Meldepflicht, welche offenbar nicht erfüllt wurde. Recherchiert und publik gemacht wurden die Abläufe vom «Tages-Anzeiger».
Das Problem: Die Grosspitäler kauften fehlerhafte Medizinprodukte bei einer Firma namens Swsi Medical in Zug. Diese Produkte waren teils fehlerhaft oder hygienisch bedenklich. Das wurde von den Spitälern auch bemerkt und moniert. So schrieb ein Einkaufsverantwortlicher des KSSG im Herbst 2013 an die Swsi: «Heute werde ich eine Schachtel mit Kanülen zuschicken. Es befindet sich Rost auf diesen Instrumenten.»
Auch die Einkäufer von Universitätsspital Zürich und Universitätsspital Basel stellten teils «gravierende Qualitätsprobleme» fest – etwa Metallspäne an sterilen Saugern.

Eine Frage der Sensibilisierung

Der heikle Punkt: Die Spitäler vergassen, auch Swissmedic zu informieren; dafür wurden sie mit 5'000 Franken gebüsst. Im Rahmen eines Verfahrens gegen zwei Swsi-Verantwortliche, so fand der der Tagi heraus, stiessen die Behörden Vertreter auch auf E-Mails, in denen sich die Kliniken bei der Firma über fehlerhafte Produkte beklagt hatten.
Das St. Galler Kantonsspital bekundete gegenüber dem «Tages-Anzeiger», die Meldepflicht sei in der Tat verletzt worden; die betroffenen Medizinprodukte seien aus dem Lager entfernt und nicht eingesetzt worden. Das KSSG habe die Schulungen für Mitarbeiter in diesem Bereich intensiviert. Auch das USZ betont, die Ausbildung des Personals sei verstärkt worden; man habe klinikintern über den Fall informiert.
Das Unispital Basel schreibt: «Für das Nichtmelden haben wir zu Recht eine Busse erhalten.» Das Spital unternehme nun grosse Anstrengungen zur Sensibilisierung der Angestellten – und die Meldungen an Swissmedic hätten in jüngster Zeit stark zugenommen.
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