Onkologika-Preise: Die Antwort des Novartis-Chefs

«Wir müssen eine Lösung finden», bestätigt Joe Jimenez nach dem Aufruf prominenter Ärzte gegen die hohen Krebsmittel-Preise. Doch die Lösung dürfe die Innovation in der Krebsforschung nicht bremsen.

, 24. Juli 2015, 12:17
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Die Pharma-Konzerne seien in einem «Gier-Modus», die Entwicklung der Preise bei den Krebs-Medikamenten könne nicht weiter so hingenommen werden: 115 amerikanische Ärzte forderten gestern ein entschlosseneres Handeln gegen die Onkologika-Inflation – und sie stellten dazu einen Sieben-Punkte-Plan vor.
Die Reaktion eines der wichtigsten Pharma-Chefs kam umgehend: Joe Jimenez, der Konzernchef von Novartis, sandte an das Magazin «Forbes» ein Mail, in dem er auf die Vorwürfe der Mediziner einging – und selber einige Lösungsvorschläge ausformulierte.
«Forbes» veröffentlichte das Schreiben nun integral. Der Novartis-CEO wiederholt darin, dass auch nach seiner Ansicht die Onkologie-Preise jetzt ein Niveau erreicht haben, das zu Sorgen Anlass gebe: «Wir müssen eine Lösung finden.» Dies gelte allerdings auch für die Spitalkosten im Krebs-Bereich.

«Wir brauchen marktwirtschaftliche Lösungen»

Die angestrebte Lösung müsste sicherstellen, dass weiterhin genügend Anreiz zur Innovation bestehe: «Die Entdeckung und Entwicklung von Krebsmedikamenten ist ein riskantes Geschäft, das in den letzten Jahren mehrfach Durchbrüche erzielte und in einigen Fällen den Patienten eine nahezu normale Lebenserwartung erlaubt hat», so Jimenez. 
Um weiterhin Innovation sicherzustellen, brauche es eine Rendite. Und da seien Preiskontrollen keine Antwort: «Wir benötigen eine freie marktwirtschaftliche Lösung, alles andere würde Investitionen in Neuentwicklungen entmutigen.»

Wir überschreiten eine Schwelle

Immerhin erlebten wir heute eine phänomenale Welle an Entdeckungen – «wir sind daran, bei der Behandlung von Krebspatienten eine Schwelle zu überschreiten.» Der Kostendruck bestehe da in der Tat, denn die neuen Therapien sind teuer. Aber medizinische Lösungen finde die Menschheit bloss, wenn alle zusammenarbeiten und nicht zu Mitteln greifen, welche die derzeit so dynamische Innovation verlangsamen.
Zweitens, so Jimenez, gelte es erst präzise Fakten zu sammeln darüber, wo die schwerwiegendsten Kosten liegen. 

Vollständige Ausnützung neuer Technologien

Natürlich deute man mit dem Finger gern auf teure Therapien, doch oft beträfen diese hochpreisigen Methoden kleinere Indikationen mit einer geringen Anzahl betroffener Patienten.
«Wir müssen auch all jene Faktoren genau beobachten, welche die Kosten treiben, inklusive dem Wettbewerbsverhalten», so der Novartis-Konzernchef abschliessend. «Eine effizientere Ausgestaltung von Forschung & Entwicklung und der Regulierungsverfahren dürfte uns helfen, die Kosten zu senken – aber auch die vollständige Ausnützung neuer Technologien.»

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