Nirgends gibt es so viel Pflege wie in der Schweiz

Neue Daten bestätigen die starke Position des Pflegepersonals in der Schweiz. Andererseits hält sich die Zahl der Spitalbetten durchaus in Grenzen – zumindest im Vergleich zu ähnlichen Staaten.

, 4. November 2015, 14:06
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Dass die Schweiz ein dichtes Gesundheitssystem hat, ist allgemein bekannt. Doch die neusten Datenmengen der Industriestaaten-Organisation OECD zeichnen da ein durchaus differenziertes Bild.
Laut der Gross-Studie «Health at a Glance 2015», jetzt veröffentlicht, ist die Schweiz einerseits das Land mit den höchsten Anteil an Pflegepersonal pro Kopf.
Andererseits landet sie bei den Ärzten erst auf Rang 6, wobei Griechenland, Österreich, Norwegen, Portugal und Deutschland eine höhere Ärztedichte ausweisen.
Interessanterweise hat Griechenland, gemessen an der Bevölkerung, sogar mit grossem Abstand am meisten Ärzte: Es sind 6,3 auf 1000 Menschen. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt die Quote 4,1. Beim Pflegepersonal wiederum ist der Mittelmeerstaat weit unterdurchschnittlich.
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Man spürt hier also einfach unterschiedliche Gewichtungen: In gewissen Staaten werden viele Funktionen, die hierzulande beim Pflegepersonal angesiedelt sind, von Ärzten übernommen. Umgekehrt gesagt: Die Pflege hat in der Schweiz eine so starke Position im Gesundheitswesen wie in wenigen Industriestaaten sonst.
Am Schluss liegt die Schweiz dann wiederum, wenn es um die Ausbildung von Medizinern geht – auch das nicht ganz unerwartet. Mit 9,7 Studienabsolventen auf 100'000 Einwohner ist der Anteil hier weniger als halb so gross als bei führenden Staaten wie Irland und Dänemark.
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Der Anteil der Ärzte ausländischer Herkunft ist denn auch klar über dem Durchschnitt: Er erreicht 27 Prozent. Entgegen vielen Erwartungen liegt diese Quote aber in einer ganzen Reihe von Staaten höher, teils sogar deutlich höher – nicht nur in Israel oder klassischen Einwanderungsländern wie Neuseeland und Australien, sondern auch in Irland und Norwegen.
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Den gängigen Mustern widerspricht zudem die «Durchdringung» mit Spitalbetten. Bekanntlich gilt die Schweiz als Land, in dem jedes Tal eifersüchtig sein eigenes Krankenhaus hütet. Allein: Die Zahl der Spitalbetten pro Kopf ist in 14 der ingesamt 31 erfassten Industrie- und Schwellenländer höher; so beispielsweise in Japan und Korea (Rang 1 und 2) oder in Deutschland und Österreich (Rang 3 und 4).
Mehr noch: Die Schweiz liegt mit 4,7 Betten pro 1000 Einwohnern sogar insgesamt unter dem OECD-Schnitt, wenn auch nur knapp.
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Bei den MRI-Anlagen und CT-Scannern pro Kopf wird die Schweiz ebenfalls von diversen europäischen Ländern überholt – sie kommt auf Rang 7.
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Insgesamt ergibt sich – einmal mehr –, dass die Schweiz sehr viel für die Gesundheit ausgibt: Es ist am zweitmeisten. Nur die Einwohner der USA müssen ein noch teureres Gesundheitswesen tragen.
Bemerkenswert ist andererseits ein Detailvergleich: Die Schweiz gibt zwar überaus viel für Medikamente aus. In absoluten Summen investiert man hier pro Kopf der Bevölkerung am sechstmeisten für Arzneimittel (wobei die USA klar in Führung liegen). 
Stellt man aber die Medikamentenausgaben in ein Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (gemessen am BIP), so liegen sie in der Schweiz plötzlich sogar unter dem Durchschnitt.
Oder anders gesagt: In den meisten OECD-Staaten geben die Menschen einen grösseren Anteil ihres Geldes für Medikamente aus als in der Schweiz.

OECD: «Health at a Glance 2015 — OECD Indicators», Paris, November 2015.

 

Der Film zur Studie: «Drug Spending in the Spotlight» – OECD

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