Neue Hepatitis-C-Therapie erhält US-Bewilligung

Epclusa von Gilead bekämpft alle 6 bekannten Genotypen des Virus. Der Listenpreis liegt tiefer als bei Sovaldi und Harvoni.

, 29. Juni 2016, 08:25
image
  • hepatitis
  • medikamente
Die amerikanische Heilmittel-Behörde FDA hat gestern die Kombinationstherapie Epclusa zum Verkauf zugelassen. Das Medikament richtet sich an Erwachsene mit chronischer Hepatitis C und zeichnet sich dadurch aus, dass es gegen alle Genotypen des Virus einsetzbar ist. 
Epclusa wurde ebenfalls von Gilead entwickelt, dem Biotech-Konzern, die bereits die Hepatitis-C-Mittel Harvoni und Sovaldi auf dem Markt hat. Das neue Mittel kombiniert den seit gut drei Jahren zugelassenen Wirkstoff Sofosbuvir (Sovaldi) mit dem neu entwickelten HCV-NS5A-Inhibitor Velpatasvir. 
Zur Mitteilung der FDA: «FDA approves Epclusa for treatment of chronic Hepatitis C virus infection», 28. Juni 2016.
«Als erste und einzige pan-genotypische Therapie für Hepatitis C hat Epclusa das Potential, den Zwang zum Genotyp-Test zu eliminieren, welcher unter bestimmten ressourcenarmen Rahmenbedingungen eine Barriere bilden kann», erklärte John Milligan, der CEO von Gilead, in einer Mitteilung.
Klinische Phase-III-Tests mit 1,558 Personen ohne Leberzirrhose beziehungsweise mit leichter Zirrhose ergaben, dass 95 bis 99 Prozent der Versuchspersonen nach 12 Wochen Behandlung mit Epclusa keine nachweisbaren Viren mehr aufwiesen. Bei einem kleineren Blindtest mit 267 Personen mit schwereren Leberschädigungen, von denen 87 Epclusa in Kombination mit Ribavirin erhielten, erschienen 94 Prozent nach der 12-wöchigen Behandlung als virenfrei. Häufigste Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Ermüdung.

20'000 Dollar günstiger als Harvoni

Wie Gilead-CEO John Milligan zur Nachrichtenagentur «Bloomberg» sagte, hat der kalifornische Konzern den Listenpreis auf 74'760 Dollar für eine 12-wöchige Behandlung festgelegt. Damit läge Epclusa unter den beiden bisherigen Hepatitis-C-Blockbustern Sovaldi (84'000 Dollar) und Harvoni (94'500 Dollar). 
In der Schweiz liegt der mit dem BAG vereinbarte Kassen-Preis für eine Sovaldi-Therapie bei 48'306 Franken; eine Harvoni-Therapie kostet 50'245 Franken.
Die europäische (und Schweizer) Zulassung für Epclusa steht noch aus. Ende Mai hatte das zuständige Beratungsgremium der europäischen Überwachungsbehörde EMA, das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP), die Bewilligung befürwortet.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Eine App übersetzt Beipackzettel auf Ukrainisch

Ukrainische Geflüchtete können sich die Beipackzettel von Medikamenten in ihre Sprache übersetzen lassen – mit dem Smartphone.

image

Zur-Rose-Apotheke: Kernschmelze des Aktienkurses geht weiter

Der Börsenkurs der Versandapotheke Zur Rose sackt auf den tiefsten Stand aller Zeiten ab. Einen Joker für den Ausweg aus der aktuellen Finanzklemme hätte das Unternehmen aber noch.

image

Medikamente: Neues Warnsystem soll Patientensicherheit erhöhen

Das Kantonsspital Aarau hat ein spezifisches System zur Detektion von Medikationsfehlern entwickelt. Dieses soll künftig auch in anderen Spitälern eingesetzt werden.

image

Zur Rose hat nun doch eine Kapitalerhöhung durchgeführt

Nach der erneuten Kapitalmassnahme der Online-Apotheke Zur Rose zeigen sich Börsenbeobachter überrascht. Der Aktienkurs fällt derweil weiter.

image

Pharmamulti benachteiligt offenbar schweizerische Grosshändlerin

Ein internationales Pharmaunternehmen soll eine Grossistin aus der Schweiz behindern, Produkte zu günstigeren Preisen zu beziehen. Die Wettbewerbs-Kommission hat eine Untersuchung eröffnet.

image

Galenica macht Umsatz mit Erkältungsmitteln

Obwohl die Pandemie abflaut, macht Galenica unerwartet hohe Umsätze. In den Apotheken laufen rezeptfreie Mittel gegen Erkältung plötzlich sehr gut.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.