Mehr Sicherheit für kleine Patienten

Eine nationale Datenbank von acht Kinderspitälern ist startklar: Ärzte, Apotheker und andere Fachpersonen finden darin Empfehlungen über die Medikamentendosierung bei Kindern.

, 5. Dezember 2017, 07:54
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Es gibt zu wenig für Kinder entwickelte oder an Kinder angepasste, sichere Arzneien. Kinderärztinnen und -ärzte sind darum gezwungen, Medikamente aufgrund persönlicher und praktischer Erfahrungswerte zu verschreiben. Häufig werden für Erwachsene entwickelte Medikamente einfach auf Alter und Körpergewicht des Kindes abgestimmt.  
Dies birgt das Risiko von Fehldosierungen: Wird zu niedrig dosiert, ist die Wirkung ungenügend, wird zu hoch dosiert, könnte sie toxisch sein. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt die Kosten dieser Medikationsfehler auf 70 Millionen Franken pro Jahr. 

Kinderspital Zürich federführend 

Es gab bislang unter den Gesundheitsfachpersonen keinen Konsens über die Dosierung von Medikamenten für Kinder. Der Missstand ist nun behoben: 2013 initiierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein nationales Verzeichnis, das harmonisierte Empfehlungen zur Arzneidosierung in der Pädiatrie enthalten soll. Unter der Ägide des Kinderspitals Zürich wurde ein entsprechendes Projekt entwickelt. Nun ist es bereit, wie das BAG mitteilt
Ab 2018 haben Gesundheitsfachpersonen gratis Zugang zur Datenbank swisspeddose.ch, und zwar auf Deutsch, Französisch und Englisch. Sie umfasst rund 100 harmonisierte Empfehlungen für 30 Wirkstoffe zur Indikation, Dosierung und Verarbreichung von Medikamenten der Infektiologie, Neonatologie und allgemeinen Pädiatrie. 

3,4 Millionen vom Bund

Die Datenbank wird von diesen acht Kinderkliniken geführt:
  • Kinderspital Zürich (Kispi ZH)
  • Inselspital Bern (Insel)
  • Ostschweizer Kinderspital St. Gallen (Kispi SG)
  • Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG)
  • Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV)
  • Kantonsspital Aarau (KSA)
  • Luzerner Kantonsspital (LUKS)
  • Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch die Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) und der Schweizerische Verein der Amts- und Spitalapotheker (GSASA). Kontrolliert wird das Verzeichnis vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Der Bund steuerte 3,4 Millionen zur Erstellung bei. 

«Swisspeddose» ausgezeichnet

Das Verzeichnis «Swisspeddose» wurde von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) als einziges gesamtschweizerisches Projekt mit dem Award «Interprofessionalität» ausgezeichnet. Insgesamt erhielten 18 von 32 eingereichten Projekte einen Award. Diese wurden am 30. November 2017 im Rahmen des Symposiums «Interprofessionalität im Gesundheitswesen» verliehen.
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