Aargauer Nationalrat will den Tarmed abschaffen

FDP-Nationalrat Matthias Jauslin fordert in einem Vorstoss: Ärzte sollen die Preise individuell festsetzen dürfen – wie Baumeister oder Garagisten.

, 4. August 2017, 07:39
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Die liberale Idee, den Tarmed-Tarif ersatzlos abzuschaffen, ist nicht neu. Jetzt bekommt das Vorhaben wieder Aufwind, berichtet die «Neue Zürcher Zeitung». Der Aargauer Nationalrat Matthias Jauslin will den Abschied von fixen Tarifen. 
Jauslin ist Inhaber einer Firma für Elektroanlagen und seit 2015 Nationalrat – zuvor war er Grossrat im Aargauer Kantonsparlament gewesen. 
Dem Unternehmer aus Wohlen schwebt mit einem Postulat vor, den Leistungskatalog auf eine «solide Grundversorgung» zusammenzustreichen. 

Aufhebung Vertragszwang

Versicherte, die eine medizinische Dienstleistung brauchen, müssten dem Politiker zufolge dann schauen, mit welchen Ärzten ihre Krankenkasse kooperiert. 
Die Krankenkassen sollen zudem festlegen, wie viel sie maximal für einen Eingriff bezahlen. «Wenn der Versicherte eine teurere Behandlung bei einem Spitzenarzt will, muss er die Differenz aus der eigenen Tasche bezahlen», sagt Jauslin zur Zeitung. 

Support von Bundesratskandidat Cassis

Santésuisse-Präsident Heinz Brand und Ignazio Cassis haben sein Postulat unterschrieben, berichtet die NZZ weiter. «Der Bundesrat soll aufzeigen, wie er von der für uns Liberale störenden Überregulierung im Preissystem wegkommen will», sagt Bundesratskandidat Cassis.  
Auch Urs Stoffel, Vorstandsmitglied der Ärztevereinigung FMH und Chirurg, begrüsst laut dem Bericht den Vorstoss des 55-jährigen Politikers.
Für die SP hingegen komme eine solche Zweiklassenmedizin nicht infrage. SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi befürchte, dass die Macht der Krankenkassen deutlich steigen würde.


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