Kampf der Rettungshelikopter im Walliser Luftraum

Air Zermatt und Rega streiten sich im Wallis um einträgliche Patiententransporte. Kurz vor der Ausschreibung des Auftrags hat die Rega in Sion einen Heli stationiert.

, 11. Mai 2022 um 15:28
image
  • ärzte
  • rega
  • wallis
Für die Air Zermatt ist es so etwas wie eine Kriegserklärung: Seit fünf Monaten hat die Rega einen Rettungshelikopter in Sion stationiert. «Vor der Haustüre ihrer Walliser Partnerunternehmen», wie Philipp Perren, Verwaltungspräsident der Air Zermatt, konsterniert feststellte. Dies sei ein «unmissverständlicher Versuch, die Walliser Unternehmen in deren optimal abgedeckten Heimmarkt zu konkurrenzieren», kommt Perren in einem Artikel in eigener Sache zum Schluss.

Rega will sich um Walliser Auftrag bewerben

Damit dürfte er Recht haben. Dieses Jahr muss der Kanton Wallis nämlich die Luftrettung erstmals öffentlich ausschreiben und neu zuteilen. «Die Rega wird sich zu gegebener Zeit mit einem noch zu definierenden Leistungsumfang an der Ausschreibung beteiligen», teilt die Rega mit.
Ein Sakrileg. Denn bis jetzt haben sich die Rega, die Air Zermatt und die Air-Glaciers die Bergrettung klar aufgeteilt: Die beiden kleinen Unternehmen hatten das Wallis für sich.

Walliser sollen ihr Geld nicht der Rega gönnen

Derzeit zieht Philipp Perren alle Register, damit das so bleibt. Die Walliser Bevölkerung soll künftig die kleine Air Zermatt und nicht die grosse Rega unterstützen. «Lasst uns zusammenstehen», ruft er die Walliser auf. Es schmerze, «wenn aus dem Wallis 50'000 Gönnerinnen und Gönner ihr Geld nach Zürich schicken.» Und er rechnet vor: «Diese zwei Millionen Franken finanzieren die Expansion der Rega ins Wallis und dienen so direkt der Konkurrenzierung und Schwächung der hiesigen Unternehmen.»
Die Rega habe die Unterstützung aus dem Wallis gar nicht nötig, sagt Perren, habe sie doch 3,6 Millionen Gönnerschaften, die 108 Millionen Franken eintrügen. Air Zermatt und Air-Glacier brächten es demgegenüber auf bloss rund 100'000 Gönnerinnen und Gönner.

Wallis bereits ohne Rega bestens gerüstet?

Perren führt ausserdem ins Feld, dass das Wallis «die Wiege der modernen Helikopterrettung» sei. Die beiden Walliser Unternehmen hätten vier Basen mit vier Helikoptern, die zu Spitzenzeiten durch weitere vier bis sechs ergänzt würden. Im Rest der Schweiz, also im Rega-Gebiet, sei diese Dichte weitaus geringer. Perrens Schlussfolgerung: «Die Rega-Gelder würden andernorts wohl eher im Interesse der Gönnerschaft investiert.»
Zudem brauche es die Rega im Wallis wirklich nicht: Auch wenn die Rega von drei Einsätzen pro Woche oder rund 160 im Jahr spreche, habe die Kantonale Walliser Rettungsorganisation die Rega letztes Jahr nur gerade 16-mal zu Einsätzen im Wallis aufgeboten.  Hingegen seien die einheimischen Unternehmen Air Zermatt und Air-Glaciers 200-mal mehr, nämlich 3400 Einsätze im Wallis geflogen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Ärztemangel: Bern drohen weitere Versorgungsengpässe

Auch Fachgebiete wie die Endokrinologie, Gynäkologie und Rheumatologie sind zunehmend betroffen. Das zeigen aktuelle Zahlen der Ärztegesellschaft des Kantons Bern.

image

SAMW: Drei neue Ehrenmitglieder

Der Senat wählte zudem Arnaud Perrier zum neuen Präsidenten der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

image

Aargauischer Ärzteverband: Neuer Präsident

Der Nachfolger von Jürg Lareida heisst Thomas Ernst.

image

Das sind die SGAIM-Preisträger

Die Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin hat fünf Projekte mit Fokus «Sonografie» ausgezeichnet.

image

Hausarzt wehrt sich gegen Klima-Behauptungen

Ein Zeitungsartikel suggeriert, dass wir uns zwischen Gesundheit und Klimaschutz entscheiden müssten. Ein Arzt aus dem Emmental widerspricht.

image

Verurteilt: Berner Pflegefachfrau gibt sich als Ärztin aus

Im heimischen Sprechzimmer stellte sie Atteste aus und versuchte sich als Ärztin. Damit reiht sie sich ein in eine lange Liste von «Hochstaplern in Weiss».

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.