Kaderärzte: Druck auf die Gehälter, Druck bei den Arbeitsbedingungen

Hat da jemand etwas von «immer mehr Boni» gesagt? Eine Erhebung des Chefärzte-Verbands VLSS bringt verblüffende Erkenntnisse dazu: Die variablen Vergütungen verlieren an Bedeutung. Auch die Arbeitszeiten sinken deutlich.

, 5. Oktober 2017, 07:06
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Es ist keine grosse, repräsentative Umfrage, die hier neu vorliegt: 268 Chefärzte, Co-Chefärzte und Leitende Ärzte gaben darin letztes Jahr Antworten zur ihrer Lohn- und Arbeitssituation. Doch die Daten lassen sich spiegeln an ähnlichen Erhebungen, die 2003 sowie 2011 veröffentlicht worden waren. Sie zeigen damit Tendenzen an.
Die Erhebung wurde jetzt von Thomas Eichenberger, dem Geschäftsleiter des Chefärzte-Verbands VLSS, in der «Schweizerischen Ärztezeitung» präsentiert. Damit kommt beispielsweise eine erstaunlich stabile Entwicklung bei den Löhnen ans Licht.

Thomas Eichenberger: «Chefärzte und Leitende Spitalärzte Schweiz: Entwicklung der Anstellungsbedingungen», in: «Schweizerische Ärztezeitung», Oktober 2017.

Genauer: Bei den Einkommen ergaben sich zwischen 2002 und 2016 kaum Veränderungen. Dies gilt für die Chefärzte wie für die Leitenden Ärzte; eher rückläufig erscheint die Gehaltsentwicklung der Co-Chefärzte, wobei die Datenlage hier allerdings arg dünn ist.
Zugleich aber stellt Thomas Eichenberger auf einer regionalen Stufe eine Angleichung fest. In der Romandie und im Tessin stiegen die Gehälter für höhere Kaderärzte an, derweil sie in der Ostschweiz rückläufig waren. In den anderen Regionen blieben sie im erfassten Zeitraum recht stabil.
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Einkommensentwicklung von Chefärzten und Leitende Ärzte in der Schweiz | Grafik/Quelle: VLSS/SAEZ
Eine leichte Mehrheit der jetzt neu befragten VLSS-Mitglieder gab denn auch an, dass sich die eigenen Einkommensverhältnisse nicht verändert hätten (56 Prozent). Ein Viertel meldete eine Verschlechterung (24 Prozent), während jeder fünfte Chefarzt oder Leitende eine Verbesserung vermelden konnte (20 Prozent).

Und wieder: die Bürokratie…

Woran liegt die Stagnation? Einerseits scheint der Markt zu spielen – so auch eine Interpretation von Thomas Eichenberger –, aber vor allem scheint es Druck bei den variablen Einkommen zu geben. Hier meldet die Studie einen interessanten Widerspruch zur öffentlichen Wahrnehmung an; in den Medien war ja in jüngster Zeit immer wieder davon die Rede, dass die Chefärzte zunehmend zu Bonusempfängern degradiert würden, und auch eine FMH-Erhebung deutete dies letztes Jahr an.
Die VLSS-Befragung ergab nun aber, dass der Anteil der Privatarzt-Honorare und ergebnisabhängigen Boni seit 2002 von ursprünglich rund der Hälfte auf rund ein Drittel im Jahr 2011 sank – und dass er 2016 nur noch bei 10 bis 20 Prozent des Gesamteinkommens liegt.

«Was die Chefärzte nervt – und sogar zur Kündigung treibt. Betroffene antworteten für eine kleine Studie aus dem Kantonsspital St. Gallen. Die zeitliche Belastung ist offenbar nicht das Hauptproblem»

Schon weniger überraschend sind dann die Aussagen zu den Arbeitsbedingungen. Ein hoher Anteil von 41 Prozent der Befragten meldet, dass sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert hätten – und nur magere 14 Prozent können sagen, dass sich die Bedingungen verbessert hätten.
Die zunehmende Last der Bürokratie wird auch hier als Haupt-Ärgernis aufgebracht: In 29 Prozent der genannten Fälle wird «mehr Administrationsaufwand» als Ursache schlechterer Arbeitsbedingungen angeführt; ebenso häufig erwähnen die befragten Top-Klinikärzte eine neue Organisationsstruktur (29 Prozent) – und auch eine neue Spitalleitung gilt öfters als Ursache für eine schlechtere Arbeitssituation (19 Prozent).
Deutlich besser erscheint die Lage dann aber beim Blick auf die Arbeitszeit: Während die antwortenden Top-Spitalärzte im Jahr 2002 ihre Gesamtarbeitszeit im Schnitt auf 70 Stunden pro Woche geschätzt hatten, gaben die befragten VLSS-Mitglieder nun, im Jahr 2016, nur noch 60 Stunden an.
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