Im Emmental wurde die Blutverdünner-Therapie «erfunden»

Bis in ein internationales Fachmagazin schaffte es das Spital Burgdorf. Im Emmental wurde nämlich die Anti-Covid-19-Therapie mit Blutverdünnern entdeckt.

, 13. Mai 2020, 15:36
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Massive Blutverdünnung kann COVID-19-Patienten das Leben retten. Diese Erkenntnis, die mittlerweile von vielen Forschern anerkannt wird, hat ihren Ursprung im Spital Emmental. Dort stellten die Betreuenden bei einem Patienten massiv gestiegene Blutgerinnungsfaktoren fest.

Patient gerettet

Deshalb erhielt der Patient Blutverdünnungs-Medikamente in wesentlich höheren Dosen als zuvor üblich. Mit dieser Behandlung besserte sich der Zustand des Patienten, und er konnte die Intensivstation nach rund drei Wochen verlassen.
Dieser wegweisende Corona-Fall aus Burgdorf wurde unterdessen im renommierten internationalen Fachmagazin «Thrombosis Research» publiziert. «Wir verdünnen das Blut der Patienten viel stärker, und können damit den Blutfluss aufrecht erhalten», erklärt Robert Escher, Co-Autor des Fachartikels, Hämatologe und Leiter der Medizinischen Klinik des Spitals Emmental.

Mittlerweile eine Behandlungsempfehlung

Weil andere Forschungsgruppen die gleichen Beobachtungen gemacht haben, wurden mittlerweile entsprechende Empfehlungen für die Blutgerinnung erlassen. «Es besteht die Hoffnung, dass wir durch diese Massnahmen die Sterblichkeit bei COVID-19 Patienten deutlich senken können», meint Robert Escher.
Und so wirken die Blutverdünner: «Wir haben festgestellt, dass der Von-Willebrand-Faktor, ein klebriges Eiweiss für die Blutgerinnung, bei unserem COVID-19-Patienten bis zu fünfmal mehr auftrat als bei gesunden Menschen», erklärt Robert Escher.

Abwehrreaktionen und Entzündungen hemmen Durchblutung

Der Grund dafür ist, dass Sars-CoV-2 unter anderem an der Innenwand der Blutgefässe andockt und dort Abwehrreaktionen des Immunsystems und Entzündungen hervorruft. Dadurch produziert der Körper mehr Blutgerinnungsfaktoren und es kann zu lebensbedrohenden Durchblutungsstörungen kommen.
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