Genf: Bieterkampf um eine Privatklinik

Erst wollte Swiss Medical Network die Clinique Générale-Beaulieu übernehmen. Jetzt kommt eine Gegenofferte: In Genf soll einen neuer Klinikverbund entstehen.

, 23. September 2016 um 11:04
image
Das kennt man sonst eher aus der Grossindustrie: Ein Konzern will einen anderen schlucken – und plötzlich meldet sich ein neuer Interessent. Es entsteht ein Bieterkampf.
Jetzt erleben wir das in der Schweizer Kliniklandschaft. Vor zwei Wochen gab Swiss Medical Network bekannt, die Klinik Générale-Beaulieu in Genf übernehmen zu wollen. Den Besitzern offerierte man, alle verbliebenen Aktien zum Stückpreis von 25'000 Franken zu übernehmen, womit die Institution und das zugehörige Land mit rund 187,5 Millionen Franken bewertet wären.

«Medizinisch kohärentere Offerte»

Jetzt meldet sich eine andere Institution, die Clinique des Grangettes, und macht ein Gegenangebot. Konkret wandte sich Grangettes-Präsident Philippe Glatz an die «Tribune de Genève» und kündigte dort an, man werde «eine vorteilhaftere und medizinisch kohärentere Offerte als jene von SMN» einreichen: «Wir erachten es als intelligenter, uns zusammenzutun, als Konkurrenten zu sein.»
Gemeinsam könnten die beiden Kliniken den Geist der Kooperation bewahren, welcher in der medizinischen Kreisen von Genf herrsche, aber auch die Unabhängigkeit der Ärzte sichern – «was in einer Gruppe nicht garantiert wäre».

Mehr Geld oder mehr Unabhängigkeit?

Im Hintergrund steht, dass die verbliebenen Aktien der Générale Beaulieu Holding zu grossen Teilen im Besitz von Ärzten sind, die auch an der Klinik tätig sind. Glatz' Ansprache könnte da also durchaus etwas zum Klingen bringen.
Eine Kernfrage lautet also auch: Was wollen die Aktionäre – Cash oder Unabhängigkeit? 
Denn Philippe Glatz kommt nicht mit einer Gegenangebot, welches die 187,5 Millionen toppt, sondern er schlägt einen Aktientausch vor. Damit würde eine neue Unternehmung entstehen, «Grangettes-Beaulieu». Die Aktionäre wären neu Mitbesitzer einer grösseren gemeinsamen Klinik.

So oder so: SMN ist dabei

Die beiden Institute, gut einen Kilometer Luftdistanz voneinander entfernt, kooperieren schon seit einigen Jahren in gewissen Bereichen. Zwischen 2013 und 2015 sollen mehrfach schon Fusionspläne gewälzt worden sein
Kommt diese neue Variante zustande, so wäre interessanterweise auch Swiss Medical Network an Bord: Denn einen Teil der Générale Beaulieu besitzt die zweitgrösste Privatklinikgruppe schon. Wie ihre Muttergesellschaft Aevis Viktoria bei der Übernahme-Ankündigung Mitte September meldete, hatte man zuvor bereits 29 Prozent der Générale Beaulieu Holding erworben; Verkäuferin war die Vermögensverwaltungsfirma Albin Kistler AG.
Die Clinique Générale-Beaulieu, gegründet 1899, ist ein Privatspital mit den Spezialgebieten Orthopädie, allgemeine Chirurgie, Urologie, Gynäkologie und Maternité. Die Klinik verfügt über ein Radiologie-Zentrum, ein Institut für Nuklearmedizin sowie ein Zentrum für Physiotherapie und Rehabilitation. 
Jährlich werden dort rund 5'700 Krankenhausaufenthalte gezählt. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeitende und arbeitet mit rund 600 Belegärzten zusammen.
Die Clinique des Grangettes, gegründet 1918, ist ein Privatspital mit Angeboten in Kardiologie, Maternité, Pädiatrie, Onkologie und Chirurgie.
Das 140-Betten-Haus hat gut 5'500 stationäre Fälle pro Jahr und beschäftigt 450 Mitarbeiter. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Ronald Alder

Kürzere Arbeitszeiten sind auch nicht die Lösung

Die Politik sieht das Gesundheitswesen unterm Kostenröhrenblick, die Gewerkschaften haben den Arbeitszeitenröhrenblick. Und so werden die wahren Probleme übersehen.

image

Hochspezialisierte Medizin: Warnschuss aus dem Thurgau

Die Kantonsregierung prüft den Austritt aus der Interkantonalen HSM-Vereinbarung. Und sie vermeldet den Unmut weiterer Kantone.

image

Klinik Hirslanden: Philippe Diserens neu im Management

Der Gesundheitsökonom übernimmt die Leitung des Performance Management.

image

Behandlungsrekord am Kantonsspital Baden

Mehr stationäre Patienten, eine Zunahme der ambulanten Konsultationen, weniger Notfälle – und mehr Benefits für die Angestellten.

image

KSGL: «Wir wollen üsärs Spital retten!»

Die Personalkommission des KSGL stellt sich hinter ihr Spital und kritisiert das Vorgehen des SBK.

image

Gewalt im Spital: Es betrifft nicht nur den Notfall

Und die Lage ist am Wochenende keineswegs besonders kritisch. Eine grosse Datenauswertung in den USA setzt neue Akzente.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.