Erstmals App gegen Sucht – auf Rezept

Der Patient hat das Programm auf dem Handy, der Arzt hat es am Computer – und beide überwachen die Loslösung von der Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Abhängigkeit.

, 28. September 2017, 06:59
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Die amerikanische Medizinaufsicht FDA hat zum ersten Mal eine App als Hilfsmittel gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch bewilligt. Das Produkt namens «Reset» soll im Kampf gegen Alkohol-, Kokain-, Cannabis- und Medikamenten-Abhängigkeiten eingesetzt warden.
Entwickelt von Pear Therapeutics in Boston, dient das «Reset»-Programm für eine ambulante Behandlung und wird zweiseitig angewandt, parallel: vom Patienten und vom Arzt.
Der Süchtige durchläuft über sein Smartphone diverse Programme einer Verhaltenstherapie. «Reset» hilft einerseits, den Missbrauch zu bekämpfen, und dann, andererseits, eine begonnene Therapie ausserhalb des stationären Bereichs fortzusetzen und dort die Fortsetzung zu garantieren. 


Mit dem Programm zeichnen die Patienten diverse Fortschritte (oder auch Probleme) bei der Loslösung von der Abhängigkeit auf – etwa Stimmungsschwankungen und deren Erklärung, ferner soziale Kontakte und andere gesundheitliche Entwicklungen. Die Einträge können auf der anderen Seite von den Ärzten und Therapeuten in einem eigenen Dashboard überwacht werden, mit entsprechenden Möglichkeiten zu sofortigem Feedback. 
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App für den Patienten (l) und Überwachungs-Bildschirm für Therapeuten (r)
Die Bewilligung erfolgte, nachdem ein klinischer Blindtest von zwei Partientengruppen deutliche Vorteile ans Licht gebracht hatte. Die Adhärenz der Personen, welche mit App-Unterstützung behandelt wurden, lag signifikant höher – dies sowohl bei der Behandlung von Alkohol wie von illegalen Drogen wie von Medikamenten-Abhängigkeit. Konkret schafften hier gut 40 Prozent im Beobachtungszeitraum den Ausstieg, verglichen mit 18 Prozent bei den Patienten ohne App. Nicht im Test waren allerdings Heroin-Abhängige.

Nur auf Rezept

Der Test war mit 399 Patienten relativ klein, auf der anderen Seite machte er auch klar, dass solch eine App keine Nebenwirkungen hat. Die Bewilligung FDA sieht dennoch vor, dass das Programm nur auf ärztliches Rezept eingesetzt wird, da die fachliche Begleitung ein fester Bestandteil des Prinzips ist.
«Dies ist ein Beispiel dafür, wie innovative Digiatltechnologien dazu beitragen können, dass Patienten den Zugang erhalten zu weiteren Mitteln, welche sie in der Behandlung unterstützen», sagt Carlos Peña; der Arzt leitet die Abteilung für Neurologische und Physische Medizingeräte bei der Regulierungsbehörde FDA. 
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