«Ein Teil des Preisgeldes wird dem Team zugutekommen»

Qumea hat den Viktor-Award in der Kategorie «Newcomer des Jahres» gewonnen. Cyrill Gyger, Mitgründer und CEO des Startups, hat mehrere Ideen, wie er die 20’000 Franken investieren will.

, 9. April 2022, 06:13
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Herr Gyger, Sie sind Mitgründer und CEO des Startups Qumea, das den «Viktor» in der Kategorie «Newcomer des Jahres» erhalten hat. Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als Sie vom Sieg erfuhren?

Natürlich habe ich mir gewisse Chancen ausgerechnet, aber dass Qumea das Rennen macht, hat mich dann schon sehr überrascht. Ich empfand eine grosse Genugtuung und viel Freude. Dass Qumea diesen Preis erhalten hat, ist für mich und mein Team eine grosse Ehre.

Wie fühlen Sie sich jetzt?

(überlegt) Es ist ein sehr schönes Gefühl, eine Genugtuung, dass die Jury unsere Leistung so gewürdigt hat. Die Auszeichnung empfinde ich als Bestätigung dafür, dass Qumea auf dem richtigen Weg ist. Auch eine Art innere Ruhe hat sich nach dieser Würdigung eingestellt – ich durfte kurz innehalten. Nun geniessen ich und mein Team die Glücksgefühle noch etwas, und dann geht’s auch schon wieder mit Vollgas weiter.

Wie würden Sie das Erfolgsrezept von Ihrem Startup umschreiben?

Der Mix aus verschiedenen Komponenten macht es aus. Die ideale Teamkonstellation trägt entscheidend zum Erreichen unserer Ziele bei. Sicherlich profitieren wir hier von der erprobten Erfahrung vieler unserer Mitarbeitenden aus vorherigen Startups. Das erspart uns Fehler, die sonst wohl beim «ersten Mal» zwangsläufig geschehen, und es half uns, entsprechend schnell zu sein. Aber genauso hilft uns die fachliche Ergänzung, etwa durch Pflegepersonen, die unterdessen auch zu unserem Team gehören. Ausserdem durften wir von Beginn an auf wichtige Praxispartner und Supporter zählen, welche die Innovation und den Patientenschutz vor komplizierte Entscheidungsprozesse stellten. Nur so gelang es uns, knapp ein Jahr nach dem Markteintritt mit unserem Produkt bereits einen derart breiten Fussabdruck in der hiesigen Spital- und Pflegelandschaft zu haben.

Wissen Sie schon, was Sie mit dem Preisgeld machen?

Es gibt Bedarf in verschiedenen Bereichen und entsprechend viele Ideen. Das Preisgeld kann etwa als Zustupf für Forschungsprojekte verwendet werden. Um die Innovation auch künftig sicherzustellen, haben Forschungsprojekte immer hohen Stellenwert. Auch kann uns das Preisgeld eine Fachmessepräsenz finanzieren, von denen wir dieses Jahr fünf im Programm haben. Und ganz klar wird ein Teil des Geldes in irgendeiner Form dem Team zugutekommen, um jene zu würdigen, die das alles ermöglicht haben.

Ihr Startup wurde schon mehrmals ausgezeichnet: An der Ifas Innovation Challenge etwa holte sich Qumea den zweiten Platz; vergangenen November wurde Ihr Startup mit dem Innovationspreis des Kantons Solothurn – dem InnoPrix SoBa – ausgezeichnet. Gibt es einen Preis, den Sie unbedingt noch erhalten möchten?

Nach dem «Oskar» fehlt nun quasi noch der Nobelpreis (lacht). Nein, Quatsch. Preise haben natürlich eine wichtige Ausstrahlung für uns. Trotzdem sind wir nicht aktiv auf der Suche nach allen möglichen Preisgeldern und Auszeichnungen, die man noch abholen könnte. Viele solcher Wettbewerbe sind oftmals mit grossem Aufwand verbunden, und unsere limitierten Ressourcen setzen wir klar vorrangig für die Kunden sowie unser Produkt ein, um den Mehrwert im Gesundheitswesen voranzutreiben. In diesem Kontext ist der «Viktor» denn auch eine Ausnahme mit grosser Genugtuung: Einerseits wurden wir ja von anderen nominiert, wir konnten uns also nicht selbst für die Teilnahme qualifizieren. Andererseits ist der Preis in unserer Kernbranche angesiedelt. Deshalb hat er einen enormen Stellenwert für uns, da er gezielt unsere Leistung im Gesundheitswesen ehrt. Aber wenn ich einen Preis nennen muss, auf den wir tatsächlich in Zukunft noch schielen, ist es eventuell der Swiss Economic Award.

Welches Jungunternehmen der rund 900 Startups in der Schweizer Gesundheitsbranche hätte Ihrer Meinung nach diesen Award ebenso verdient?

Definitiv mehr als nur eines. Die Innovationskraft in der Gesundheitsbranche ist hierzulande glücklicherweise riesig. Viele meiner Startup-Kolleginnen und -kollegen aus der Branche tüfteln an Grossem oder sind, wie wir, bereits mit starker Innovation am Markt. Mir persönlich gefallen besonders jene Ansätze, denen man entweder mit der Frage begegnet «Warum kam da noch niemand zuvor darauf?» oder die zwar viel High-Tech beinhalten, diese jedoch bewusst im Hintergrund halten. Ansätze also, die nicht die Technik, sondern den Anwender in den Vordergrund stellen.

Wenn Sie jungen Startup-Gründern einen Rat auf den Weg geben müssten, welcher wäre das?

Ich erachte es als ganz wichtig, den Markt möglichst früh miteinzubeziehen. An der Hürde des «Product-Market-Fits» scheitern die meisten Startups, da Produkte oder Geschäftsmodelle am Kunden vorbei entwickelt werden. Hier hat auch der Trugschluss keinen Platz, seine Idee nicht mit anderen zu teilen, da diese ja sonst kopiert werden könnte. Nur mit Feedback aus dem Umfeld und eben insbesondere aus dem Markt wird die Idee schliesslich überhaupt eine funktionierende Idee. 

Über Qumea 

Qumea ist ein Schweizer Healthtech Startup mit Sitz in Solothurn. Das Jungunternehmen wurde Ende 2019 gegründet – in einem Jahr hat es zusammen mit Fachleuten aus der Pflege und der Medizin sein Produkt von der Idee bis zur Serienreife gebracht. Bei dem Produkt handelt es sich um ein spezielles System, dass zur kontaktlosen Mobilitätsüberwachung von pflegebedürftigen Personen eingesetzt wird. Damit werden Stürze oder Dekubiti verhindert, der Pflegeaufwand wird reduziert, Therapieerfolge werden messbar gemacht. Zentraler Bestandteil ist ein radarbasierter Raumsensor, der sowohl die Position als auch die Körperhaltung bis hin zu Agitation und Atmung des Patienten erkennt. Denn das dreidimensionale Radar kann 100 Millionen Bewegungspunkte pro Sekunde erfassen und deren Position im Raum ermitteln.
Das System kommt schweizweit bereits in rund 20 Institutionen wie Akutspitälern, psychiatrischen Kliniken und Pflegeheimen zum Einsatz – unter anderem im Felix Platter Spital, im Kantonsspital Baselland, im Spital Männedorf, im Spital Affoltern und in der Domicil Pflegeheimkette. Im Ausland ist das System bereits in Deutschland, Spanien und Australien in Betrieb.
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