Die Pille: 10 Embolie-Verdachtsfälle im ersten Halbjahr 2017

Die Verdachtsmeldungen zu Nebenwirkungen bei hormonalen Verhütungsmitteln stiegen an – wohl weil wir stärker sensibilisiert sind.

, 14. August 2017, 08:47
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Swissmedic hat die Meldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei hormonalen Kontrazeptiva aufbereitet. Das Thema ist bekanntlich recht belastet, da – Stichwort «Fall Céline» – der Verdacht im öffentlichen Raum steht, dass die Verwendung der Pille ein höheres Thromboserisiko nach sich zieht.
Insgesamt erfasste Swissmedic zwischen 1990 und Juli 2017 knapp 4'000 Meldungen über unerwünschte Nebenwirkungen von hormonalen Verhütungsmitteln – also etwa Kombinationspräparate, orale Gestagenmonopräparate, systemisch wirkende Pflaster, Implantate, Vaginalring, intrauterine Pessare.
467 Verdachtsmeldungen betrafen in jenen Jahren venöse Thromboembolien, 283 zielten auf Lungenembolien und 184 drehten sich um tiefe Venenthrombosen ohne Lungenembolie.
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Tabelle: Swissmedic | VTE: venöse Thromboembolien
Die Tabelle zeigt einen Anstieg der Meldungen in den letzten Jahren, wobei die öffentliche Debatte um die Thrombose-Risiken der Verhütungsmittel seit 2013 hier eine Rolle gespielt haben könnte.
«Das Meldebewusstsein hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, was sich in einem deutlichen Anstieg der Meldefrequenz zeigt», schreibt die Heilmittelbehörde selber. «Vor allem werden zu neueren Präparaten und zu Präparaten, über die wegen möglicher Nebenwirkungen in der Presse berichtet wird, Meldungen eingereicht.» 


Im laufenden Jahr liefen bislang 211 Spontanmeldungen ein, welche Nebenwirkungen anzeigten; dabei war in 10 Fällen von Thrombose die Rede.
Insgesamt erhielt Swissmedic – im ganzen Zeitraum – 17 Berichte über tödliche Lungenembolien, die mit hormonalen Kontrazeptiva oder kombinierten Präparaten mit kontrazeptiven Eigenschaften in Verbindung gebracht wurden; davon drehten sich 8 um antiandrogenen CHC, 4 um Cyproteronazetat, 4 unter Dritt-Generations-CHC und 1 um ein Gestagen-Monopräparat.

Letzte tödliche Lungenembolie im Oktober 2015

Die erste tödliche Lungenembolie, die im Rahmen der Spontanerfassung gemeldet wurde, ereignete sich 1991 – die letzte im Oktober 2015. Die Frauen waren zwischen 17 und 49 Jahre alt, in acht Fällen unter 30. Bei zehn Betroffenen lag mindestens ein Risikofaktor für venöse Thromboseembilen vor – etwa Übergewicht, höheres Alter, familiäre Neigung, lange Reise, Beinlähmung.
Weiter erhielt Swissmedic seit 1990 insgesamt 64 Berichte von Thrombosen der Hirnvenen unter hormonalen Kontrazeptiva. Keiner dieser Fälle verlief tödlich.
Swissmedic weist allerdings darauf hin, dass die Aussagekraft der Meldungen begrenzt sei: «Das Spontanmeldesystem erlaubt keine systematische Erfassung von UAW (unerwünschten Arzneimittelwirkungen) und gestattet keine Aussagen über die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen und auch keinen Vergleich zwischen verschiedenen Präparaten.»
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