Die Liebe der Orthopäden zu den Privatpatienten

Unnötige Operationen oder falsche Statistik? Laut BAG-Daten werden Zusatzversicherte verdächtig häufig operiert. Insbesondere in der Orthopädie bestehe ein grosser Graben zwischen Privat- und Grundversicherten.

, 17. Juni 2016, 07:00
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Wer privat oder halbprivat versichert ist, wird eher operiert: Dies besagen Daten aus dem Bundesamt für Gesundheit. So werden Zusatzversicherte 2,2-mal häufiger am Knie operiert als Patienten mit einer Grundversicherung; und an der Wirbelsäule nehmen die Ärzte hier 1,5-mal häufiger einen operativen Eingriff vor.
Dies meldet der «Tages-Anzeiger». Laut der BAG-Auswertung werden zum Beispiel auch Hüftgelenke bei Privat- und Halbprivat-Patienten 1,3mal häufiger ersetzt. Unterm Strich ist die statistische Wahrscheinlichkeit einer Operation bei diesen Personen um 17 Prozent höher als bei Grundversicherten.
Besonders eifrig werden Zusatzversicherten orthopädischen Eingriffen unterzogen: Von den 15 aufgeführten Operationen gehen 11 auf dieses Fachgebiet.

Gesucht: die medizinische Begründung

Eine medizinische Begründung für diese Verhältnisse sei nicht erkennbar, sagte BAG-Vizedirektor Oliver Peters zum «Tages-Anzeiger». Das Thema dabei: Hier entstehen trotz der Privat-Situation auch Kosten, die teilweise durch die Grundversicherung respektive die Kantone getragen werden. Oliver Peters schätzt die Kosten der Mehrbehandlung von Zusatzversicherten für die Krankenkassen auf über 100 Millionen Franken pro Jahr – plus ein ähnlicher Betrag, der bei den Kantonen anfällt.
Deutlichen Widerspruch äussert allerdings Urban Laffer: Der Präsident der FMCH erkennt «methodische und statistische Mängel» bei der Untersuchung. Die Zahl der stationär durchgeführten Eingriffe alleine besage noch nichts über die Häufigkeit: Viele der erwähnten Behandlungen könnten auch ambulant durchgeführt werden; womöglich liege der Unterschied also weitgehend darin, dass sich Zusatzversicherte einfach öfter für die stationäre Variante entscheiden. Damit weist Urban Laffer den Vorwurf «unnötiger» Operationen klar zurück.
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