«Dein Partner muss Verständnis haben – auch für Erschöpfung»

Pflegeberuf und Partnerschaft: Klappt das? Oder wird das schwierig? In einer Social-Media-Gruppe debattierten hunderte Gesundheitsprofis über eine Kernfrage des Berufs. Der Tenor war durchaus positiv.

, 8. August 2017, 04:00
image
  • pflege
  • arbeitswelt
«Krankenschwestern und Krankenpfleger»: Diese Social-Media-Gruppe auf Facebook hatten wir hier ja auch schon empfohlen. Fast 44’000 Mitglieder aus dem Fach tauschen sich hier aus – überaus lebhaft. Wer Tipps will, erhält stets Antworten, und wer eine Problem debattieren möchte, findet hier sicher Zuspruch von Pflegeprofis.
Jüngst stellte nun ein Mitglied eine einfache, aber wichtige Frage: «Wie funktioniert das bei euch mit Beziehung und Beruf als Krankenschwester?» Die junge Frau möchte eine Pflegeausbildung starten – aber zum Thema Beziehungen habe sie «ganz grausige Geschichten» gehört.

«Bei uns funktioniert es…»

Die Frage bewegt offenbar, es setzte rasch hunderte Antworten. Der Tenor war leicht positiv, eine Mehrheit der antwortenden Gesundheitsprofis fand, dass der Beruf (und dabei natürlich der Schichtdienst) gut vereinbar sei mit einem funktionierenden Privat- und Liebesleben.
«Mein Mann kommt von Anfang an wunderbar damit klar und unsere Beziehung hat ebenfalls noch nie unter meinem Job gelitten (doch einmal...aber das lag daran, dass ich mit dem Arbeitgeber unzufrieden war).»
«Probieren geht über studieren. Bei uns funktioniert es seit über 5 Jahren.»
«Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man vielleicht weniger Zeit miteinander verbringt, aber diese viel mehr zu schätzen weiss. Für uns ist es schon Quality Time, wenn wir zusammen vor dem TV sitzen oder im Hof.»

  • Die Schichtarbeit selber wird gar nicht so oft als erschwerender Faktor genannt; vereinzelt verteidigen ihn die «Krankenschwestern und Krankenpfleger» sogar:

«Ich versteh auch nicht, wieso das Schichten gerade in der Pflege so schlecht geredet wird. Es gibt tausende, die das in der Industrie auch tun.»

  • Und einige erwähnen, dass sich gerade die unregelmässigen Arbeitszeiten ganz gut mit einer Familie in Einklang bringen lassen:

«Ich liebe meinen Beruf, aber wegen meinen Kids würde ich ihn nicht nochmal wählen»

«Mit Familie ist es in der Pflege perfekt. Ich habe, als die Kinder klein waren, nur nachts gearbeitet. Am Tag war ich da und alles hat geklappt. Der Job ist familienfreundlich.»

  • Allerdings: Da setzte es schon auch Widerspruch:

«Der Beruf der Krankenschwester ist definitiv kein Familienberuf: Wochenende arbeiten, Feiertage arbeiten. Ich liebe meinen Beruf als Krankenschwester, aber wegen meinen Kids würde ich den Beruf nicht nochmal wählen.»
«Familienplanung ist auch nur möglich, wenn man ein gutes Umfeld hat wie Omas und einen Partner, der am Wochenende nicht arbeiten muss. Wir beide hatten Schichtdienst und nie ein freies Wochenende zusammen, da einer immer aufs Kind aufpassen musste. Ich fand es sehr belastend. Und ich hatte ständig das Gefühl, mein Kind abzuschieben.»

  • Mehrfach erwähnt wird, dass der Beruf halt schon allerhand erwartet vom Partner:

«Du musst einen sehr toleranten Partner haben, denn wenn der Dienstplan steht, heisst es noch lange nicht dass du dann auch so arbeitest.»

«Vorher mit einem Ingenieur – ging nicht lange gut…»


  • Was ebenfalls mehrfach zum Tipp führt, dass Beziehungen mit Partnern aus ähnlich gelagerten Berufen eher klappen könnten:

«Mit Menschen aus berufsähnlichen Branchen harmoniert es irgendwann einfach besser.
Ich bin glücklich mit meinem Feuerwehrmann verheiratet. Vorher mit einem Ingenieur – ging nicht lange gut...»
«Ich habe meinen Freund auf der Arbeit kennen gelernt (er ist auch Pfleger) und es klappt bei uns super. Wir versuchen unsere Dienstpläne etwas aufeinander abzustimmen und haben oft gemeinsam frei. Mit einem Freund, der nichts mit der Pflege zu tun hat wäre das dann ja allerdings anders. Er muss Verständnis für Schichten und auch für Erschöpfung haben.»
«Auch wenn sie versichern, Verständnis für den Beruf zu haben, klappt es nur bedingt, wenn die Partner nichts mit Pflege oder Medizin zu tun hat.»
«Unser Beruf ist ein Beziehungskiller. Es sei denn, der Partner ist im selben Beruf.»

  • Was schliesslich öfters anklingen lässt, dass man sich eine Frage schon überlegen kann: Wieviel wert ist mir der Beruf? Wie ernst meine ich es damit? 

«Hat dein Partner kein Verständnis für wechselnde Schichten und Wochenend-Arbeit, dann ist er eh der falsche...»
«Mach deine Ausbildung, die hast du dein Leben lang. Wenn dich ein Mann liebt, hast du ihn auch in diesem Beruf ein Leben lang. Wenn er kein Verständnis hat, dass du anderen Menschen helfen möchtest, dann schiess ihn da hin, wo die Sonne nicht hinkommt.»
«Ich bin seit 44 Jahren in dem Beruf und hatte nie Probleme. Wenn Dein Partner und Deine Freunde nicht hinter Dir stehen, sind es eh die verkehrten Menschen um Dich herum.»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Hirnverletzungen: Markus Fisch ist neuer CEO des Kompetenzzentrums

Das Ostschweizer Kompetenzzentrum für Menschen mit einer Körperbehinderung oder Hirnverletzung hat einen neuen Geschäftsführer und eine neue Präsidentin.

image

Marco Stücheli wechselt vom BAG zum Spital Männedorf

Der 39-Jährige leitete bis Ende 2022 die Arbeitsgruppe Kommunikation Covid-19-Taskforce. Nun wird er Kommunikationschef in Männedorf.

image

Das ist der neue Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft

Der Hausarzt Tobias Burkhardt hat das Präsidium der AGZ von Josef Widler übernommen. Der neue Präsident will unter anderem den Ärztenachwuchs sichern.

image

Kliniken Valens: In der Geschäftsleitung kommt es zu einem Wechsel

Nach 37 Jahren als Direktor Therapien reduziert Peter Oesch sein Pensum an den Kliniken Valens. Das Zepter übergibt er Robert Durach.

image

Das See-Spital gewährt einen Teuerungsausgleich und erhöht die Löhne

Das ist ein grosszügiger Akt: Die Mitarbeitenden erhalten neben einem Teuerungsausgleich sechs Prozent mehr Lohn. Auch der Nachtzuschlag wird deutlich erhöht.

image

Das sind die Neujahrswünsche der FMH und Kinderärzte Schweiz

2022 war voller Herausforderungen und Unsicherheiten. Nun blicken Spitäler und Verbände zurück und verraten ihre Neujahrswünsche. Heute folgt der zweite Teil der Serie.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.