Das Uber des Gesundheitswesens ist – Uber?

Bei uns kann man sich langsam auch in der Apotheke impfen lassen. In den USA nimmt der Digital-Konzern Uber schon den nächsten Schritt: Die Impfung kommt per Taxi. Und das soll nur ein Anfang sein.

, 23. November 2015, 14:29
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Die Idee, dass tausende Menschen über eine App verbunden werden, um Dienstleistungen auszutauschen – dies macht das Uber-Prinzip aus. Und fast wöchentlich wird eine neue Idee beziehungsweise eine neue Firma präsentiert, die zum Uber des Gesundheitswesens werden könnte.
Seit wenig Tagen scheint allerdings klar: Uber will diese Rolle selber spielen.
Denn jetzt verkündete das Unternehmen, inzwischen ein Milliardenkonzern, dass es einen eigenen Health Advisor engagiert hat – John Brownstein, ein Epidemologe vom Boston Children's Hospital und Assistenzprofessor an der Harvard Medical School.
«Mit seiner Anleitung und Expertise werden wir fähig sein, neue Wege zu finden, um die Uber-Plattform so zu erweitern, dass wir in eine gesündere Zukunft fahren», meldete das Tech-Unternehmen aus San Francisco.

Impfung plus Wellness Kit

In einer ersten Aktion setzte Uber sein System ein, um in 36 Grossstädten Grippeimpfungen durchzuführen. Konkret: Wer sich für 10 Dollar via Uber-App anmeldete, erhielt Besuch von einer medizinischen Fachperson mit Bewilligung – natürlich per Uber-Mobil. Diese führte nicht nur die Impfung durch, sondern überreichte dazu noch ein Wellness Kit. 
Das tönt zuerst einmal ineffizient (und nach einer Goodwill-Aktion), aber offenbar konnten bei einzelnen Besuchen bis zu 10 Personen geimpft werden. Insgesamt 10'000 Personen sollen bis zum Ende der Übung erreicht werden.
Bereits im Vorjahr hatte Uber mit John Brownstein eine typähnliche Aktion durchgeführt, allerdings in sehr kleinem Rahmen: Rund 2'000 Personen wurden dabei geimpft. Wie der Harvard-Mediziner unlängst in einem Fachbeitrag berichtete, äusserten danach 80 Prozent die Ansicht, dass sie sich ohne solch ein Mobil-Angebot nicht gegen Grippeviren hätten impfen lassen.

John S. Brownstein, Jane E. Huston, Lauren Steingold et. al., «On-Demand Delivery of Influenza Vaccination», in: Annals of Internal Medicine, November 2015

Wie gesagt: Die Tests mit dem mobilen Nurse Service dürften erst Versuchsballons sein, um das Potential im Gesundheitswesen auszuloten. Immerhin vermeldete Uber mit dem Engagement des Mediziners John Brownstein auch die Gründung einer eigenen Division namens UberHealth. 
Wie kürzlich zudem bekannt wurde, entwickelt der Digital-Vermittlungs-Konzern derzeit mit einer Spital-Kommunikationsfirma und einer Privatkrankenhaus-Kette zum Beispiel ein Programm, mit dem für Patienten zur Entlassung und in der Wochen danach ein Transportdienst sichergestellt wird. 
Und in Asien läuft ein anderer Versuch, bei dem die Uber-App mit einem Hausärzte-Buchungsportal verknüpft wird: Wer einen Arzttermin festlegt, kann sich gleichzeitig noch den Fahrdienst bestellen.
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