Covid-19: Neue Studien zu inhalativen Steroiden

Asthmaspray soll schwere Covid-Fälle verhindern: Zu diesem Schluss kam eine britische Studie im April. Aktuellen Studien zufolge zeichnet sich jedoch kein Vorteil einer frühzeitigen Steroidbehandlung ab.

, 2. Dezember 2021, 09:15
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Kann ein schwerer Covid-19-Verlauf durch eine frühzeitige Behandlung mit inhalativen Steroiden verhindert werden? Zwei aktuelle placebokontrollierte Studien kamen zu negativen Ergebnissen – Pneumologen raten deshalb weiterhin von einer solchen Behandlung ab. Das berichtete das «Deutsche Ärzteblatt».
Die erste Studie (Kanada) hatte 203 Erwachsene ab 18 Jahren, die leichte Covid-19-Symptome wie Husten, Atemnot oder Fieber zeigten, auf die Behandlung mit Ciclesonid oder Placebo randomisiert. Das Kortikosteroid wurde entweder inhalativ oder intranasal verabreicht.

Dauer der Erkrankung konnte nicht verkürzt werden

Während in der Verum-Gruppe sechs Teilnehmer hospitalisiert werden mussten, waren es in der Placebo-Gruppe drei Personen. Todesfälle waren nicht aufgetreten. Ein Vorteil einer frühzeitigen Steroidbehandlung zeichnete sich demnach nicht ab. Der Studienleiter führte dies auf das junge Alter der Teilnehmer von 35 Jahren zurück: Die wenigsten von ihnen wiesen Begleiterkrankungen auf, die das Risiko eines schweren Verlaufs erhöht hätten, heisst es im Artikel des «Deutschen Ärzteblatts». Hinzu kam, dass die Studie vorzeitig abgebrochen werden musste. Bei einer grösseren Teilnehmerzahl, so der Studienleiter, wäre der Vorteil von Ciclesonid möglicherweise signifikant geworden.
Bei der zweiten randomisierten Studie – 400 Personen waren mit inhalativem Ciclesonid oder mit Placebo behandelt worden – mussten in der Verum-Gruppe zwar deutlich weniger Personen wegen einer Verschlechterung der Symptome hospitalisiert werden (1 Prozent versus 5,4 Prozent), die Behandlung mit dem inhalativen Steroid konnte die Dauer der Erkrankung aber ebenfalls nicht verkürzen. Todesfälle waren nicht aufgetreten.

Das meint der Studienautor

Einer der Autoren der Studie kommt denn auch zu folgendem Schluss: Die Studie habe zwar ihr Ziel – die Dauer der Erkrankung zu verkürzen – nicht erreicht. Die Behandlung könnte jedoch einige Patienten vor einer Verschlechterung der Erkrankung bewahrt haben.
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und weitere Fachgesellschaften teilen diese An­sicht nicht, wie das «Deutsche Ärzteblatt» schreibt. Auch wenn der Rückgang im sekundären Endpunkt signifikant war, beruhe er doch auf relativ wenigen Ereignissen, die einen Zufall nicht sicher ausschliessen, heisse es in einer Stellungnahme.
Die Experten würden ausserdem eine Ungleichverteilung der Risiken in beiden Gruppen verteilen. In der Verum-Gruppe hätten sich mehr als doppelt so viele Patienten mit Asthma (9,1 Prozent) befunden wie in der Placebo-Gruppe (3,9 Prozent) – trotz der Randomisierung. Hier könnten die Patienten allein schon aufgrund des Vor­liegens eines Asthma profitiert haben, so die Experten. Dass der Rückgang der Notfallvorstellungen und Krankenhausaufnahmen der einzige von mehreren sekundären Endpunkten mit einem positiven Ergebnis war, zeige eine «fehlende Konsistenz» an, heisst es im Artikel weiter.

Lungenärzte rieten schon damals davon ab

Bereits im April berichtete Medinside von einer britischen Budesonid-Studie, bei der die Ergebnisse anders ausfielen als bei den oben erwähnten Studien: Zwei tägliche Dosen von Asthmaspray mit Budesonid hätten die Dauer einer milden Infektion mit Sars-CoV-2 um einen Tag verkürzt; schwere Covid-Fälle hätten um 90 Prozent gesenkt werden können. Deutsche und österreichische Pneumologen stellten die Ergebnisse der britischen Untersuchung infrage und rieten schon damals von einer Behandlung mit inhalativen Steroiden ab.
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