Insel Gruppe: Kuli-Geschenk kommt nicht überall gut an

Die grösste Schweizer Spitalgruppe bedankt sich mit einer kleinen Geste beim Pflegepersonal. Das Kugelschreiber-Präsent hat aber einige Mitarbeitende verärgert.

, 22. Juli 2020 um 06:35
image
  • spital
  • insel gruppe
  • pflege
Die Insel Gruppe hat rund 4'200 Mitarbeitenden in der Pflege einen Caran-d'Ache-Kugelschreiber geschenkt- mit spezieller Gravur: «We care». «Lassen Sie uns – wie in der Dankeskarte angekündigt – die Erfolgsgeschichte des Pflege- und Hebammenberufes weiterschreiben», steht im Begleitschreiben der Berner Spitalgruppe.
Bei einem Teil des Pflegepersonal und Aussenstehenden sorgt das Präsent aber für Unmut. Die Pflege brauche ein faires Gehalt oder einen angemessene Nacht- und Wochenendzuschlag, so der Tenor auf Social Media. Auch Politiker oder Kommunikationsexperten melden sich zu Wort.

Unmut vor allem in den sozialen Medien 

Der Berner Stadtrat Manuel C. Widmer schreibt dazu auf Facebook: «Die Zukunft des Pflege- und Hebammenberufs wird mit wahrer Wertschätzung und Empathie geschrieben werden. Aber sicher nicht mit einem Kugelschreiber auf Konfirmationsgeschenk-Niveau». Sein Beitrag wurde vielfach geteilt und löste viele Reaktionen aus. 
image
Screenshot Facebook

Hat nichts mit der Corona-Krise zu tun

Die Insel Gruppe bedauert es, wenn es in Einzelfällen bei Mitarbeitenden wie auch Aussenstehenden zu einem Missverständnis in Zusammenhang mit dem Versand des Kugelschreibers gekommen ist, wie Sprecher Adrian Grob der «Berner Zeitung» sagt (Artikel bezahlpflichtig)
Der Kugelschreiber habe aber mit der Corona-Krise überhaupt nichts zu tun, hält Grob fest. Die Aktion sei schon lange geplant gewesen: Anlässlich des 200. Geburtstages von Florence Nightingale, der Begründerin der modernen Krankenpflege. Das Spital habe viele positive Rückmeldungen von Mitarbeitenden erhalten.

Rückgabe als Zeichen des Protests geplant

Für die während der Krise ausserordentlich erbrachten Leistungen habe man sich hingegen schon anderweitig beim Personal erkenntlich gezeigt. So mussten Mitarbeitende, die während der Krise von Kurzarbeit betroffen waren, ausserdem keine Lohneinbussen hinnehmen und keine Minusstunden nacharbeiten, wie das bei anderen Spitälern der Fall war, erklärt Grob der Zeitung weiter.
Eine Gruppe will die Kugelschreiber nun sogar an den Absender zurück schicken, steht auf Social Media zu lesen. Bis jetzt sind laut der Medienstelle aber noch keine Kugelschreiber zurückgeschickt worden. Im Gegenteil: Es sollen schon viele Mitarbeitende anderer Berufsgruppen gefragt haben, ob sie ebenso einen Kugelschreiber erhalten könnten.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

«Keine Gen Z»: Spitex-Stelleninserat sorgt für Diskussion

Der Fall eines Spitex-Inserats wirft Fragen zur Personalpolitik auf, steht jedoch im Kontrast zu den Bemühungen vieler Anbieter, junge Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.

image

LUKS Gruppe und Hochschule Luzern vertiefen Zusammenarbeit

Die Luzerner Kantonsspital Gruppe und die Hochschule Luzern intensivieren ihre Kooperation in Forschung und Lehre. Im Fokus stehen Pflege und Medizintechnik.

image

Xund: Pflegeberufe so beliebt wie noch nie

In der Zentralschweiz befinden sich erstmals mehr als 3000 Personen gleichzeitig in Ausbildung für einen Pflegeberuf – ein neuer Höchststand.

image

Christine Meuwly ist die erste Kantonspflegefachperson des Kantons Freiburg

Die Pflegefachfrau ist derzeit noch Geschäftsstellenleiterin des Gesundheitsnetzes Sense und kennt das kantonale Gesundheitswesen gut.

image

Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

image

ZHAW und FH Graubünden starten gemeinsames Pflegestudium

Ab Herbst 2026 bieten die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Fachhochschule Graubünden gemeinsam das Bachelorstudium in Pflege an.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.