Trotz den Vorteilen stossen telemedizinische Beratungen auch an ihre Grenzen. Etwa bei der Verschreibung von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen. Dies ergibt eine grosse Analyse aus den USA mit Kindern und Teenagern bis zu siebzehn Jahren.
Das Resultat vorweg: Bei über der Hälfte der untersuchten Telemedizin-Konsultationen wurde ein Antibiotikum verordnet. Hingegen verschrieben Ärzte in der Praxis nur bei jedem dritten Besuch Antibiotika. Auf Notfallstationen waren es etwas über 40 Prozent.
Antibiotika nur zur Sicherheit
Insgesamt verglichen die Forscher um Kinderärztin Kristin Ray vom Kinderspital der Universität Pittsburgh über 4'600 Telemedizin-Besuche, 38'400 Notfall-Konsultationen und rund 485'200 Besuche bei Kinder- und Hausärzte.
Als Grund nannten die Studienautoren unter anderem die begrenzten übermittelten Informationen durch eine Audio- oder Videokonferenz. So können Telemediziner einem Kind nicht ins Ohr schauen, einen Rachenabstrich oder Labortests durchführen. Die klinische Unsicherheit bei der Telemedizin könnten Ärzte deshalb dazu veranlassen, Antibiotika nur zur Sicherheit zu verschreiben, schreiben die Forscher.
Telemediziner halten sich weniger an Guidelines
Weiter lieferte die Studie auch Details zum Antibiotika-Management: So hielten sich nur knapp 60 Prozent der Telemediziner an die derzeit geltenden Leitlinien für Antibiotikatherapien, verglichen mit fast 80 Prozent der Praxisärzte und knapp 70 Prozent der Mediziner auf Notfallstationen. Der Unterschied liess sich hauptsächlich auf eine unangemessene Verschreibung bei viraler Atemwegsinfektionen zurückführen.
Atemwegsinfektionen sind häufig diagnostizierte Erkrankungen bei Kindern und auch Erwachsenen. Unnötige Verschreibung von Antibiotika, etwa bei viralen Infektionen, führen nicht nur zu höheren Gesundheitskosten, sondern auch zu potentiellen Nebenwirkungen und zu gefährlichen Resistenzen.