Demenzdorf Tönebön am See - eine alternative Betreuungsform

Die Idee eines Demenzdorfes ist nicht neu. Die Julius Tönebon Stiftung verzeichnet nach den ersten Jahren eine gesteigerte Nachfrage, gemäss Statistik wird sich der Anteil an Betroffenen bis 2050 verdoppeln und angepasste Betreuungslösungen fordern.

, 31. Mai 2015 um 22:00
image
  • pflege
  • altersmedizin
Das Demenzdorf Tönebön am See in Hameln bietet mit seinen umzäunten 16'000 Quadratmetern eine alternative Betreuung von Demenzerkrankten im Vergleich zu Kliniken. Die Heimleiterin Christine Boss-Walek zur ÄrzteZeitung: «Wir sperren hier aber niemanden ein. Jeder ist frei, sich in diesem Zuhause zu bewegen, wohin er will.»
Nach dem Vorbild der grossen Dementia Village Hogewey mit 160 Patienten in den Niederlanden startete die Julius Tönebön Stiftung mit dieser ersten Einrichtung in Deutschland 2014. In den vier «Villen» wohnen jeweils 13 Bewohner in einer Gemeinschaft. Die Anlage liegt am Rande eines Naturschutzgebietes, in der Lobby gibt es einen Mini-Supermarkt, ein Besucher-Café und einen Friseur, der Garten-Innenhof lädt zum Verweilen und Spazieren ein, jede Villa hat einen Gemeinschaftsraum mit Küche.
29Minuten-Dokumentation: «Dorf des Vergessens - Selbstbestimmt leben mit Demenz» (2016).
Das Pflegekonzept holt die Bewohner dort ab, wo sie sind: Ob gedanklich in einer Reha oder im Camping-Urlaub in Italien oder mit einer kleinen Nachtwanderung am See. Für die Qualität der Betreuung erhielt die Einrichtung im Pflegeheim-Vergleich des Magazins Focus die Auszeichnung «Top Pflegeheim».
Auf der Warteliste für das Demenzdorf stehen bereits 50 Namen, doch nicht jeder wird aufgenommen - Menschen mit dem Korsakow-Syndrom (Alkohol) oder Suchtgefährdung können nicht versorgt werden. Das Bedürfnis für einen Betreuungsplatz wird wachsen, auch in der Schweiz: Die Schweizerische Alzheimervereinigung rechnet von aktuell 119'000 Erkrankten bis 2030 mit einem Anstieg auf 200'000 und für 2050 gar auf 300'000.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

«Keine Gen Z»: Spitex-Stelleninserat sorgt für Diskussion

Der Fall eines Spitex-Inserats wirft Fragen zur Personalpolitik auf, steht jedoch im Kontrast zu den Bemühungen vieler Anbieter, junge Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.

image

LUKS Gruppe und Hochschule Luzern vertiefen Zusammenarbeit

Die Luzerner Kantonsspital Gruppe und die Hochschule Luzern intensivieren ihre Kooperation in Forschung und Lehre. Im Fokus stehen Pflege und Medizintechnik.

image

Xund: Pflegeberufe so beliebt wie noch nie

In der Zentralschweiz befinden sich erstmals mehr als 3000 Personen gleichzeitig in Ausbildung für einen Pflegeberuf – ein neuer Höchststand.

image

Christine Meuwly ist die erste Kantonspflegefachperson des Kantons Freiburg

Die Pflegefachfrau ist derzeit noch Geschäftsstellenleiterin des Gesundheitsnetzes Sense und kennt das kantonale Gesundheitswesen gut.

image

Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

image

ZHAW und FH Graubünden starten gemeinsames Pflegestudium

Ab Herbst 2026 bieten die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Fachhochschule Graubünden gemeinsam das Bachelorstudium in Pflege an.

Vom gleichen Autor

image

Katar sucht 4000 Fachpersonen aus der Gesundheitsbranche

Die Gesundheits-Strategie 2022 des Emirats will die medizinische Versorgung massiv abbauen. Der Wüstenstaat will 4000 Fachpersonen aus aller Welt rekrutieren.

image

Swiss Medtech Award: Das sind die drei Finalisten

Drei Unternehmen zeigen den State of the Art: Es geht um präzisere Tumor-Operationen, um Trainingshilfen für Schlaganfall-Patienten – und um Operationen in den Tiefen des Auges.

image

«Beeindruckend hoch»: Jeder dritte Arzt steigt aus

Neue Daten machen es offensichtlich: Die Gesundheitsbranche kann ihr Personal nur schlecht halten. Viele steigen aus. Und die meisten wechseln dann den Beruf und die Branche.