Es ist eine Schweizer Premiere und soll ein grosser Fortschritt für die Open-Source-Künstliche Intelligenz sein: Ein Sprachmodell (LLM) wird im Spätsommer 2025 zusammen mit seinem Quellcode, seinen Gewichtungen und seinen Trainingsdaten veröffentlicht. Es wurde von der EPFL, der ETH Zürich und dem Swiss National Supercomputing Centre (
CSCS) entwickelt und soeben in Genf vorgestellt.
Dieses Projekt ist Teil der
Swiss AI Initiative und zielt darauf ab, eine souveräne und offene Infrastruktur anzubieten. Gedacht ist sie für wissenschaftliche, pädagogische, staatliche – und medizinische Anwendungen.
Anwendungen im Gesundheitswesen
Zwar wurde das Modell nicht speziell auf medizinische Daten trainiert, doch seine offene Architektur ermöglicht eine massgeschneiderte Anpassung. «Das Modell der Swiss AI Initiative fungiert als generalistischer Textprozessor, der in der Lage ist, verschiedene sprachliche Aufgaben in einer mehrsprachigen Umgebung wie der Schweiz zu bearbeiten», erklären die Forscher Imanol Schlag (ETHZ) und Martin Jaggi (EPFL) gegenüber Medinside.
«Medizinische Einrichtungen können es anpassen und spezialisieren, während sie die volle Kontrolle über sensible Daten behalten.»
Da das Modell völlig offen ist, kann es geprüft, validiert und für bestimmte Zwecke angepasst werden: zur Unterstützung der Diagnose, zur medizinischen Dokumentation oder zur Kommunikation zwischen Patienten und Pflegefachleuten. «Im Gegensatz zu kommerziellen Modellen ermöglicht es eine Sicherheitsprüfung, eine systematische Bewertung von Verzerrungen und Massnahmen zur Wahrung der Vertraulichkeit - eine entscheidende Anforderung für das Spitalumfeld», fügen die Forscher hinzu.
Mehrsprachig und gesetzeskonform
Das Modell wurde von Anfang an für die Mehrsprachigkeit konzipiert. Es beherrscht mehr als 1'500 Sprachen – ein wesentliches Kriterium für Gesundheitssysteme in multikulturellen Kontexten. Es wird in zwei Grössen (8 und 70 Milliarden Parameter) erhältlich sein, «was einen flexiblen Einsatz auch in begrenzten IT-Umgebungen ermöglicht».
Dank der Open-Source-Natur kann es direkt in der Infrastruktur eines Spitals installiert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Daten das lokale System nie verlassen. «So können die strengsten medizinischen Datenschutzstandards eingehalten werden, ohne auf externe Cloud-Anbieter angewiesen zu sein», so die Forscher.
Ein Wendepunkt?
Das Modell wurde auf dem Supercomputer «
Alps» des CSCS in Lugano trainiert. Es wurde so konzipiert, dass es den Anforderungen der KI im grossen Massstab gerecht wird, unter Einhaltung der Schweizer Datenschutzgesetze und der künftigen europäischen KI-Verordnung.
Die Veröffentlichung dieses Modells könnte einen Wendepunkt in der Art und Weise darstellen, wie Gesundheitsinstitutionen in der Schweiz und darüber hinaus künstliche Intelligenz konzipieren und einsetzen. Transparent, eigenständig, mehrsprachig und hochleistungsfähig könnte diese öffentliche KI zu einem Eckpfeiler der medizinischen Innovation in Europa werden.