Galenica richtet ihr Tochterunternehmen Bichsel neu aus: Die pharmazeutische Produktion in Interlaken soll aus wirtschaftlichen Gründen bis spätestens Ende 2026 aufgegeben werden. Betroffen sind bis zu 170 Stellen in Produktion und Vertrieb. Das Konsultationsverfahren wurde eingeleitet.
Die Herstellung galt
laut Unternehmen seit Jahren als zu wenig wettbewerbsfähig. Verschiedene Optionen – von einer Neuausrichtung über grosse Investitionen bis hin zu einem möglichen Neubau – wurden geprüft, hätten aber keine langfristig tragfähige Lösung gebracht.
Auch ein Verkauf der Produktionsanlagen sei wegen ihres Zustands nicht möglich. Während der Übergangsphase will Bichsel die Kunden weiterhin beliefern und bei Bedarf beim Wechsel zu anderen Lieferanten unterstützen.
«Das ist nicht nur ein Schlag für die Region. Sie trifft einen äusserst wichtigen und kritischen Teil der Versorgung», schreibt Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitäler fmi AG und Vizepräsident von Pharmasuisse, auf LinkedIn. Die Schliessung betreffe «alle kritischen Bereiche der Spitalversorgung» und habe auch eine sicherheitspolitische Dimension: «Die Reaktionsfähigkeit der Schweiz in Krisen wird beeinträchtigt.»
Fokus auf Home-Care-Dienstleistungen
Künftig soll der Fokus vollständig auf den Home-Care-Dienstleistungen liegen. In diesem Bereich arbeitet Bichsel bereits mit Lifestage Solutions zusammen. Gemeinsam unterstützen die beiden Galenica-Unternehmen Spitexorganisationen und Pflegeinstitutionen bei der Versorgung von Patienten zu Hause – etwa in der klinischen Ernährung, der Schmerztherapie oder beim digitalen Medikamentenmanagement.
Das Apothekengeschäft in Interlaken bleibt bestehen und wird ab März 2026 als Amavita Apotheke Bichsel weitergeführt.
- Bichsel fertigt spezielle Medikamente für Spitäler, Pflegeheime und Ärzte – zum Beispiel sterile Spritzen oder individuell zusammengestellte Arzneien. Bis Ende 2026 stoppt die Produktion in Interlaken aus Kostengründen, stattdessen konzentriert sich Bichsel auf Pflege-Dienste zu Hause.
- Galenica betreibt das grösste Apothekennetz der Schweiz mit Marken wie Amavita oder Sun Store. Zusätzlich versorgt das Unternehmen als Logistikführer Apotheken, Ärzte und Spitäler mit über 100'000 Medikamenten und bietet IT-Dienste für das Gesundheitswesen.
Finanziell rechnet die Galenica-Gruppe im Fall der Produktionsaufgabe mit einmaligen Sonderkosten von 35 bis 40 Millionen Franken. Nach der Schliessung soll sich der operative Gewinn jährlich um rund drei Millionen Franken verbessern.
Der Abschluss des Konsultationsverfahrens wird gemäss Angaben Mitte März 2026 erwartet. Der endgültige Entscheid zur Schliessung sowie die definitive Zahl der betroffenen Stellen hängen vom Ausgang dieses Verfahrens ab.