Lauterbachs Angriff auf die Homöopathie

Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen überprüfen.

, 7. Oktober 2022, 12:21
image
Schon als Bundestagsabgeordneter kritisierte Karl Lauterbach die Finanzierung der Homöopathie. | Screenshot SRF
  • Karl Lauterbach
  • homöopathie
«Als er zum ersten Mal davon gehört habe, dass die Grundversicherung homöopathische Behandlungen vergüte, sei er sehr verwundert gewesen.» Das sagte der deutsch-britische Mediziner Edzard Ernst in den Tamedia-Medien. Der Buchautor ist Professor für die Erforschung von Alternativmedizin. Medinside berichtete hier darüber.
Nun, die Schweiz ist nicht das einzige Land, in welchem homöopathische Behandlungen durch die Krankenkassen bezahlt werden. Auch in Deutschland ist dies der Fall - zumindest teilweise. Dort bieten gewisse Krankenkassen die Erstattung homöopathischer Arzneimittel als Satzungsleistungen an. Darunter versteht man in Deutschland jene Leistungen, die Krankenkassen zusätzlich zu den festgeschriebenen Leistungen gewähren können.

Nix für eine wissenschaftsbasierte Gesundheitspolitik

Das geht Karl Lauterbach zu weit. Wie der «Spiegel» berichtet, will der Bundesgesundheitsminister die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen überprüfen. «Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz», sagte Lauterbach dem «Spiegel». Deshalb will er prüfen, ob die Homöopathie als Satzungsleistung gestrichen werden könne.
Deutsche Krankenkassen bieten Satzungsleistungen zu Werbezwecken an. «Dazu zählen bei vielen Kassen auch homöopathische Arzneimittel, obwohl es keine wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit jenseits des Placebo-Effekts gibt», schreibt das Nachrichtenmagazin.
Schon als Bundestagsabgeordneter soll Lauterbach dieses Fördersystem wiederholt kritisiert haben. 2019 forderte er, den Krankenkassen die Mitfinanzierung von Homöopathie zu verbieten.

Reaktion aus der Schweiz

Dominique de Quervain ist Professor für Neurowissenschaften und Direktor der Abteilung für Kognitive Neurowissenschaften an der Universität Basel. Das Ansinnen des deutschen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach rief auch ihn auf den Plan.
Auf Twitter schreibt Dominique de Quervain: «Die Homöopathie ist der wohl grösste Betrugsfall in der Geschichte der Medizin. Allein in Deutschland werden homöopathische Mittel für mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr verschrieben oder abgegeben, ohne dass ein wissenschaftlicher Nachweis ihrer Wirksamkeit vorliegt.»

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Globuli-Streit: Similasan droht Arzt mit Klage

Ein Arzt aus dem Kanton St. Gallen schildert einen kuriosen Fall einer Patientin: Er vermutet eine chronische Arsenvergiftung durch Globuli.

image

Mauro Poggia leitet Untersuchung gegen Arzt ein

Ein in den Kantonen Genf und Waadt praktizierender Arzt behauptet, er könne Homosexualität therapieren – mit Homöopathie.

image

Homöopathie: So klärt uns dieser Arzt über die «Globukalypse» auf

Die Popularität von Homöopathie-Produkten scheint ungebremst zu steigen. Doch bei den Ärzten in der Schweiz bröckelt der Glaube daran. In Deutschland wollen Mediziner die Zusatzbezeichnung jetzt sogar ganz abschaffen.

image

Wir verschreiben Globuli, glauben aber nicht dran

Fast ein Viertel der Ärzte setzen gelegentlich auf homöopathische Mittel – oft mit eigenartigen Erklärungen. Eine Zürcher Studie bringt interessante Widersprüchlichkeiten ans Licht.

Vom gleichen Autor

image

«Lehnen Sie den Wolf im Schafspelz ab»

Künftig sollen in der Schweiz auch Medizinprodukte aussereuropäischer Regulierungssysteme zugelassen werden können.

image

«Die meisten Hospize sind auf Spendengelder angewiesen»

Die Schweiz bräuchte 850 Spitalbetten für spezialisierte Palliative Care, hat aber bloss 375. Renate Gurtner Vontobel von Palliative.ch erklärt, was zu machen wäre.

image

Ärzte sollen nur Geld erhalten, wenn die Leistung stimmt

Stimmt die Leistung nicht, soll auch nicht der volle Preis bezahlt werden. Wie das gehen soll, erklärte Groupe Mutuel an einer Medienkonferenz.