Zukunft des Spitals Zweisimmen nach wie vor nicht geklärt

Die Region Obersimmental und Saanenland steht erneut vor einer entscheidenden Abstimmung über das Gesundheitsnetz. Nun sorgt ein Gutachten für Aufregung.

, 9. November 2023 um 08:53
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Die Befürworter des Gesundheitsnetzes wehren sich gegen eine Schliessung des Spitals Zweisimmen. | zvg
Mehrere Berner Gemeinden im Obersimmental und im Saanenland müssen erneut über das Gesundheitsversorgungsmodell «Gesundheitsnetz Simme Saane» abstimmen. Das Projekt will quasi das Spital Zweisimmen erhalten und Spital, Geburtshaus, Altersheim und Spitex unter einem Dach vereinen.
Der Abstimmungskampf wird intensiv geführt, unter anderem mit einem Gutachten zum Businessplan des integrierten Versorgungsnetzes mit einem Akutspital, das höhere Kosten für das Gesundheitsnetz prognostiziert. Und die Gegner führen ins Feld, dass es nicht Aufgabe von Gemeinden sein könne, ein Spital zu führen und zu finanzieren. Die Alternative: ein ambulantes Gesundheitszentrum.

Kritik der Gemeinden

Die Gesundheit Simme Saane AG (GSS) kritisiert nun aber das Gutachten der von der Gemeinde Gsteig beauftragten Beraterfirma Muller Healthcare Consulting und wirft der Analyse Fehler und unzulässige Schlussfolgerungen vor. Die Kritik betrifft ohne hier ins Detail zu gehen etwa die Mindestfallzahlen, den Basispreis und der Vergleich zwischen Zweisimmen und den Spitäleren Hohmad/Siloah, den Spitalneubau, den Betriebsertrag oder das Alterswohnen, wie unter anderem die «Berner Zeitung» berichtet.
Mehr noch: Man sei enttäuscht über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, drei Wochen vor der Abstimmung. Die Verantwortlichen der GSS betonen, dass der Businessplan auf detaillierten Unterlagen beruhe, während das Gutachten der Berater von falschen Annahmen ausgehe oder regionalpolitische Gegebenheiten nicht berücksichtige. Auch die Gemeinden Saanen, Lauenen, Lenk, St. Stephan und Zweisimmen sowie das Geburtshaus Maternité Alpine üben Kritik am Expertenbericht.

Auf- und Ausbau bis 2028

Am 19. November entscheiden nun die Stimmberechtigten einerseits über einen jährlich wiederkehrenden Beitrag von 1,5 Millionen Franken ab Anfang 2025. Andererseits über einen jährlichen Beitrag von 300'000 Franken für den Auf- und Ausbau des Gesundheitsnetzes von 2024 bis 2028. Unter anderem soll das in die Jahre gekommene Spital soll durch einen Neubau ersetzt werden. Ob es dazu kommt, ist jedoch ungewiss.
Muller Healthcare Consulting hat sich nach der Veröffentlichung des Berichts geäussert und hält fest, dass sie sich weder zu den «Spitalgegnern» noch zu den «Spitalbefürwortern» zählen. Die angeführten Kritikpunkte liessen sich ausnahmslos durch die im Gutachten angeführten Tatsachen widerlegen. Das Unternehmen stehe voll und ganz hinter den getroffenen Annahmen.
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