Studie weist auf Ungleichheiten im Schweizer Gesundheitssystem hin

Junge Erwachsene, Migranten, aber auch Hochschulabsolventen fühlen sich in der Gesundheitsversorgung in der Schweiz zum Teil benachteiligt. Die Ursachen sind jedoch unklar.

, 5. September 2023 um 12:38
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Akteure und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen sollten stärker sensibilisiert werden für die Faktoren, die den Benachteiligungen zugrunde liegen. | on Unsplash
Das Schweizer Gesundheitssystem gilt als eines der leistungsfähigsten der Welt. Eine aktuelle Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt jedoch: Patientinnen und Patienten in der Schweiz erfahren in Bezug auf die Qualität der Gesundheitsversorgung auch Benachteiligung. Diese Befunde wurden in verschiedenen Dimensionen der Versorgungsqualität festgestellt und betreffen Personen in unterschiedlichen Situationen.
So zeigt die Studie zum Beispiel, dass Personen in sozio-ökonomisch benachteiligten Lebenslagen die Versorgungsqualität generell schlechter bewerten. Auch junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren, Personen in Einelternhaushalten, Migranten der ersten Generation sowie Personen mit tertiärem Bildungsabschluss beurteilen die Qualität der Versorgung als weniger gut.

Geplagt von widersprüchlichen Informationen

Ein eher beunruhigendes Ergebnis der Studie ist zudem die sozio-ökonomische Benachteiligung, die das Risiko erhöht, aus Kostengründen auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu verzichten. Dies betrifft fast die Hälfte der Befragten in den am stärksten benachteiligten Gruppen.
Befragte im Alter von 18 bis 34 Jahren geben ferner dreimal häufiger an, widersprüchliche Informationen von verschiedenen Ärzten und medizinischem Personal erhalten zu haben, als Personen der Altersgruppe 65 Jahre und älter. Personen mit Tertiärabschluss geben darüber hinaus häufiger als andere Befragte an, einen Behandlungsfehler bemerkt oder widersprüchliche Angaben von verschiedenen Leistungserbringern erhalten zu haben.

Ursachen im Gesundheitssystem?

Die Studie konnte jedoch nicht eindeutig klären, welche Mechanismen diesen erfahrenen Benachteiligungen zugrunde liegen. Es ist unklar, ob die Ursachen im Gesundheitssystem selbst liegen, das möglicherweise nicht ausreichend auf die Bedürfnisse aller Patienten ausgerichtet ist, oder ob Unterschiede in den Ressourcen, Kompetenzen, Präferenzen und Erwartungen der Betroffenen eine Rolle spielen.
Für die Analyse wurden hauptsächlich Daten des «International Health Policy Survey» (IHP) der «Commonwealth Fund Foundation» aus dem Jahr 2020 verwendet. Dabei wurden über 2'200 Personen ab 18 Jahren aus der Schweiz befragt. Die Qualität der Gesundheitsversorgung wurde dabei anhand der folgenden sechs Dimensionen untersucht:
  • finanzieller Zugang,
  • Kontinuität und Koordination,
  • Kommunikation mit der behandelnden Ärztin oder mit dem behandelnden Arzt,
  • erhaltene Unterstützung,
  • Patientensicherheit und
  • globale Bewertung der Leistung des Gesundheitssystems.

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