Zürich will neue und höhere Mindestfallzahlen

Zudem prüft die Gesundheitsdirektion, ob bei gewissen Behandlungen Mindestzahlen für den operierenden Arzt eingeführt werden sollten.

, 11. Dezember 2015, 12:00
image
  • zürich
  • fallzahlen
  • spital
  • mindestfallzahlen
Der Kanton Zürich hat mit der Spitalliste 2012 als erster Kanton in der Schweiz Mindestfallzahlen für medizinische Eingriffe festgelegt. Mit jährlich 10 Fällen pro Spital und Behandlung war die Grenze bewusst niedrig festgelegt worden. Sie gilt für knapp dreissig stationäre Eingriffe – etwa für Prostataentfernungen, Lungenkrebsbehandlungen oder in der spezialisierten Wirbelsäulenchirurgie.
Nach vier Jahren Erfahrung mit Mindestfallzahlen zieht die Zürcher Gesundheitsdirektion im heute publizierten Gesundheitsversorgungsbericht 2015 eine positive Bilanz: Die Vorgaben und ihre Umsetzung seit 2012 hätten zur gewünschten Konzentration der spezialisierten Leistungen auf weniger Spitäler geführt. Heute werden seltener komplexe Eingriffe in Spitälern mit wenig Routine durchgeführt. 

Die positive Wirkung in  Zahlen

Genannt wird das Beispiel der Blasenentfernungen: Diese finden heute noch an 6 Zürcher Spitälern statt, zuvor waren es 12 gewesen. Entsprechend grösser ist die Zahl der Eingriffe, die pro Spital jährlich durchgeführt werden.
Analysen zeigen nun, dass sich die Mindestfallzahl-Vorgaben im Kanton Zürich hinsichtlich Qualität und Wirtschaftlichkeit positiv auswirken: 

  • Bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen sank die Mortalität seit 2012 mehr als doppelt so stark wie bei Behandlungen ohne Mindestfallzahl-Vorgaben.
  • Bei Behandlungen mit Mindestfallzahlen stiegen die Fallkosten rund dreimal weniger stark als in den übrigen Bereichen.

Die Daten bestätigen wissenschaftliche Studien und Mindestfallzahl-Vorgaben in anderen Ländern. Insgesamt kommt die Gesundheitsdirektion unter Regierungsrat Thomas Heiniger also zum Schluss, dass bei weiteren Behandlungen auch Mindestfallzahlen sinnvoll wären. Und ferner, dass bei einigen Behandlungen die heute geltenden Vorgaben von 10 Fällen vergleichsweise tief angesetzt sind.
Der Kanton Zürich geht deshalb einen Schritt weiter:

  • Er plant, bei gewissen Behandlungen die Mindestfallzahlen zu erhöhen;
  • sowie bei gewissen Behandlungen neu Mindestfallzahlen einzuführen. Der Gesundheitsbericht erwähnt als Beispiel die operative Behandlung von Brustkrebs.
  • Zudem prüft die Direktion, ob bei gewissen spezialisierten Behandlungen auch Mindestfallzahlen pro Operateur festgelegt werden sollen. 
Auch hier erinnert der Jahresbericht an wissenschaftliche Studien, laut denen 
bei Brustkrebs-Operationen
 nicht nur eine Mindestfallzahl pro Spital 
(von mindestens 50), sondern auch eine Fallzahl von 20 pro Operateur und Jahr sinnvoll sein dürften.


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Kantonsspital Aarau entlässt Pflege-Leiter

Roland Vonmoos muss seinen Posten beim Kantonsspital Aarau räumen. Die Vorwürfe gegen den Leiter Pflege Anästhesie sind unklar.

image

Das sind die neuen Spitalräte der Zürcher Spitäler

In den Spitalräten des Zürcher Unispitals, des Kantonsspitals Winterthur und der Psychiatrie IPW wurde je ein neues Mitglied gewählt.

image

Diese Spitäler schafften es aufs Podium

And the winners are.... Unispital Zürich, Schulthess Klinik, Waadtländer Uniklinik und die Berner Klinik Montana.

image

Freiburger Spital muss Operationen verschieben

Das Freiburger Spital HFR sieht keine andere Lösung mehr: Weil alle Betten ausgelastet sind, verschiebt es nicht dringende Eingriffe.

image

Die Rega scheitert im Wallis an Air Zermatt und Air Glacier

Der Kampf der Rettungs-Unternehmen um den Walliser Luftraum ist entschieden: Die Rega erhält keinen Auftrag.

image

Nun macht auch Team der Uroclinic in Wetzikon mit

Die Urologieabteilungen des Zürcher Unispitals und des GZO Spitals Wetzikon nehmen einen dritten Partner auf: Die Uroclinic Wetzikon.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.