Zürich: Triemli, Waid und USZ kündigen engere Zusammenarbeit an

Konkretes Beispiel: Bei Radiologie-Projekt wollen Zürichs öffentliche Spitäler bis 6 Millionen Franken einsparen – dank Teamwork. Auch in der Aus- und Weiterbildung und im Einkauf wird enger kooperiert.

, 19. Juli 2016 um 12:54
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Das DSG-System drückt auf die Einnahmen, und auf der anderen Seite drängen sich bei den öffentlichen Spitälern gewaltige Neu-Investitionen auf. Was lässt sich also tun? Man setzt auf Kooperationen und Allianzen.
Mit diesem Dreisatz eröffnete Martin Waser, der Präsident des Spitalrats des USZ, die neusten Pläne von Universitätsspital Zürich sowie den Stadtspitälern Waid und Triemli.
Zwar stünden die drei Häuser durchaus in einem Konkurrenzkampf um die Patienten, doch «wir machen nicht Catch-as-catch-can», so Waser: «Sondern wir kooperieren».

Gemeinsam mehr Marktmacht

Das ist an sich nichts Neues. Bekanntlich betreiben Triemli und USZ bereits einen Herzchirurgieverbund.  An einem Mediengespräch stellten nun aber Spitzenleute von USZ, Triemli und Waid sowie die Zürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen die Pläne für eine vielfältigere Zusammenarbeit vor. Konkret wollen sich die öffentlichen Spitäler von Zürich in der Aus- und Weiterbildung stärker aufeinander abstimmen, und sie planen, den gemeinsamen Einkauf zu intensivieren.
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Vertreter von USZ, Triemli und Waidspital bei der Präsentation vor den Medien (Bild: @Unispital_USZ)
Bekanntgegeben wurde dabei ein konkretes Projekt in der Radiologie. Im Triemlispital wie im USZ müssen in den nächsten Jahren Linearbeschleuniger ersetzt werden. Jetzt wurden die Zeitpläne der Erneuerung so abgestimmt, dass die Patienten des Triemli (wo der erste Wechsel ansteht) für Bestrahlungen ins USZ ausweichen können. Damit entfällt der Zwang, einen Ausweichbunker zu bauen, und nebenbei sinkt auch das Risiko, dass einzelne Patienten an ein anderes Spital verloren gehen. Die Ersparnis veranschlagt Triemli-Direktor Erwin Carigiet bei etwa 6 Millionen Franken.

Ein Karriere-Netzwerk am gleichen Ort

Im Bereich der Aus- und Weiterbildung soll eine engere Kooperation dazu beitragen, für junge Ärzte attraktiv zu sein beziehungsweise attraktiver zu werden: Ihnen können quasi die erweiterten Möglichkeiten eines Spital-Netzwerkes geboten werden. So dass – beispielsweise – der notwendige Standortwechsel im einer Fachausbildung gleich auf dem Platz Zürich möglich wird. 
«Es gibt zuwenig Assistenzärzte», analysierte der Ärztliche Direktor des USZ, Jürg Hodler. «Und die jungen Ärzte reagieren durchaus auf eine Angebotspalette, bei der man strukturiert eine Laufbahn angehen kann.»
Entstehen soll ein Austausch zwischen Triemli, Waid und USZ, wie er bereits im universitären Geriatrieverbund funktioniert (wo neben Universität und Unispital Zürich sowie dem Waidspital auch das Pflegeheim Käferberg involviert ist). Konkret wechselt dort – beispielsweise – ein Oberarzt des USZ für zwei Wochen ans Waidspital. Und Spezialisten der am Waidspital verorteten Memory Clinic werden auch am Unispital tätig.

Mängel erkannt, Reaktion träge

Zugleich würden weitere Kooperationen im medizinischen Bereich aufgegleist, so die Spitalvertreter vor den Medien in Zürich, aber sie seien noch nicht spruchreif.
Insbesondere Unispital-Präsident Martin Waser untermalte die Präsentation mit allerhand Kritik am DRG-System: «Es funktioniert noch nicht», so der ehemalige SP-Stadtrat. Zugleich jedoch reagiere die Politik auf die offensichtlich erkannten Mängel nur langsam und träge.
So sei es systemimmanent, dass ein Spital nur existieren kann, indem es Grundversicherte durch einen hohen Anteil an Zusatzversicherte subventioniert. Die öffentlichen Spitäler garantierten die Ausbildung des medizinischen Kaderpersonals, und sie deckten jene Disziplinen ab, die sich sonst nicht rentabel betreiben lassen.
Insofern sei das Teamwork keine Allianz gegen die Privatkliniken, wiegelte Waser auf eine entsprechende Frage ab, aber: «Wir sehen die Allianzen als Modell, um das Beste aus der DRG-Situation zu machen».
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