Wieviele Ärzte braucht es auf der Intensivstation?

Dafür gibt es jetzt eine Formel. In einer Überprüfung von fast 50'000 Fällen zeigte sich: Zuviel Mediziner sind auch ungesund.

, 26. Januar 2017 um 10:12
image
  • spital
  • forschung
  • mindestfallzahlen
Die Fragestellung war in diesem Fall klar und simpel: Wie entwickelt sich die Mortalität auf den Intensivstationen im Verhältnis zur Anzahl der anwesenden Ärzte?
Eine Gruppe von Internisten, Epidemologen und Internisten aus England, Kanada und den USA überprüfte dies anhand von 49'700 erwachsenen Patienten, die zwischen 2010 und 2013 in britischen Intensivstationen betreut worden waren.


Die Auswertungen ergaben am Ende eine (leicht schiefe) U-Kurve, wobei die Todesfall-Rate bei 7,5 am tiefsten war. Anders gesagt: Wenn auf einen Intensivmediziner 7,5 Patienten kamen, dann war – rein statistisch – das Todesfallrisiko am geringsten.
Der Median der Betreuungsquote lag in den beobachteten 94 Kliniken bei 8,5 Ärzten pro Patient. Dies bei Extremwerten zwischen 1 und 23,5.

Auch nach Risikoadjustierung: die U-Kurve blieb

Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass sich eine intensivere ärztliche Betreuung ab einem gewissen Punkt sogar negativ auswirkt: Kann mehr denn wirklich schlechter sein?
Die Forscher kalkulierten aber durchaus ein, dass die Ärztedichte ein Spiegel der Risikolage sein könnte – also dass besonders viele Intensivmediziner anwesend waren, wenn besonders viele riskante, bedrohliche Fälle auf der Station lagen. Aber selbst nach der Risikoadjustierung durch Einberechnung der verschiedenen Diagnosen blieb die U-Kurve bestehen.

Die Mindestfallzahlen-Erklärung

Und tatsächlich: Auf den zweiten Blick überrascht das Ergebnis schon weniger.
Wie Hayley B. Gershengorn, David A. Harrison und Allan Garland in der «Discussion» vermuten, haben wir es hier wohl mit der bekannten Mindestfallzahlen-Thematik zu tun. Viele Ärzte pro Patient bedeuten nicht nur enge Betreuung – es bedeutet eben auch, dass der einzelne Arzt weniger Gelegenheit erhält, Erfahrungen zu bilden und auszubauen.
«Per definition», so die jetzt im JAMA-Netzwerk erschienene Studie, «betreuen einzelne Intensivmediziner weniger Patienten, wenn die Patient-zu-Arzt-Relation tief ist. Im Extrem kann sich dies negativ auf diese Patienten auswirken.»
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

USB: Rechtsstreit abgewendet, 300 Millionen bewilligt

Über ein Millionen-Darlehen ans Unispital war ein Streit zwischen dem Kanton und den Basler Privatspitälern entflammt.

image

Das Spital Uster kehrt in die Gewinnzone zurück

Eine Fusion mit dem angeschlagenen Nachbarspital Wetzikon stehe nun nicht mehr zur Diskussion.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

image

Sogar das Spital Schwyz schreibt nun rote Zahlen

Es ist das erste Mal seit acht Jahren: Das bisher rentable Spital Schwyz hat 2023 Verlust gemacht.

image

Spital Wetzikon: Petition für «euses Spital»

Im Zürcher Oberland engagieren sich viele für ihr Spital Wetzikon. Innert 24 Stunden kamen über 15'000 Unterschriften zusammen.

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.