Wie man Impfgegner am besten umstimmen kann

Zeigen statt reden, veranschaulichen statt informieren: Wenn Eltern das Impfen verweigern, helfen nicht Argumente.

, 6. August 2015, 07:37
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Was eher hilft, sind Bilder. Dies besagt jedenfalls eine qualitative Studie, an der sich 315 Personen beteiligten. Eine Psychologengruppe der University of Illinois befragte die Testpersonen zur Haltung gegenüber Impfungen – und teilte sie danach in drei Gruppen ein.
Gruppe eins wurde informiert: Sie bekam Unterlagen, die den bekannten Argumenten der Impfgegner widersprachen. Zum Beispiel einen Behördenbericht, wonach Impfungen laut neusten Studien nicht (wie oft behauptet) das Risiko der Kinder erhöht, später an Autismus zu erkranken.

Zachary Horne, Derek Powell, John E. Hummel et. al., «Countering antivaccination attitudes», in: «Proceedings of the National Academy of Science», Juli 2015.

Gruppe zwei wurde konfrontiert mit Folgeschäden von Krankheiten, die sich durch Impfungen vermeiden lassen: Die Probanden bekamen Fotos von Kindern mit Masern, Mumpf oder Röteln vorgesetzt, oder sie lasen einen Text, in dem eine Mutter die Masern bei ihrem Kind beschrieb.
Gruppe drei war die Kontrollgruppe: Die Testpersonen lasen einen Text zu einem völlig anderen Thema – Vögel.
Danach wurde bei allen drei Gruppen nochmals die Haltung zu Impfungen abgefragt.
Gruppe eins verhielt sich dabei wie die Kontrollgruppe – bei beiden änderte sich die Haltung zum Impfen nicht merklich.

«Die Konsequenzen nachfühlen lassen»

Einen signifikanten Wandel registrierten die Psychologen aus Illinois jedoch bei der zweiten Gruppe: Wer konkret mit den Krankheitsfolgen konfrontiert worden war, überdachte und änderte seine Haltung zu Impfungen öfter.
Indirekt verspürten die Forscher um Zachary Horne also auch eine Bestätigung älterer Studien: Wer Impf-Skeptikern direkt widerspricht, bewirkt wenig – oder er weckt sogar Widerstand.
«Hier aber», schreiben die Autoren, «konnten wir die Anti-Impf-Haltungen der Leute erfolgreich kontern, indem wir sie die Konsequenzen nachfühlen liessen, die sich ergeben, wenn man sein Kind nicht impft.» 
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