Wann wird man auf der Notfallstation am besten betreut?

Ganz einfach: Wenn es frischen Kaffee hat. Eine Grossumfrage unter Medizinprofis bringt gute Zeiten und schlechte Zeiten ans Licht. Mitsamt interessanter Details über die Abläufe im Notfall.

, 5. November 2015, 11:00
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Wenn Sie es sich aussuchen können, dann gehen Sie Vormittags auf die Notfallstation. Und zwar im Zeitraster zwischen 6 Uhr morgens und 12 Uhr Mittags. Dies jedenfalls denkt ein Grossteil von tausenden Gesundheitsfachleuten aus aller Welt – oder genauer: aus insgesamt 115 Ländern.
Eine knappe Hälfte der Befragten (44 Prozent) meinten, dass die Betreuung in den Morgen- und Vormittagsstunden qualitativ am besten sei. Dies zeigt eine Umfrage, welche das Mediziner-Netzwerk «Figure 1» Mitte Oktober erarbeitet hat und bei dem 17'400 Gesundheits-Profis ihre Antworten gaben. 
Bei jenen Personen, die laut eigener Angabe selber in Notfallstationen arbeiten, war die Verteilung übrigens fast identisch: Auch von diesen 1'400 Medizinern und Pflegern bezeichneten 46 Prozent die Zeit zwischen 6 Uhr früh und 12 Uhr Mittags als «Ideal-Slot».
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In ihren Kommentaren zur Umfrage erklärten die Spitalangestellten und Mediziner ihre Wahl gar nicht so sehr mit dem Verhältnis zwischen Andrang und Personal, sondern vor allem damit, dass die Teams von 6 bis 12 am fittesten sein dürften.

Der Nacht-Tag-Doppelcheck

«Der Kaffee ist frisch und alle Einrichtungen des Spitals sind voll in Funktion», erklärte ein Hausarzt seine Wahl. Und ein Spitaltechniker ergänzte: «Frischer Kaffee ist der Schlüssel zu einer effizienten Notfallstation».
Aber das Getränk ist noch nicht alles. Von einer interessanten psychologischen Doppelung berichtete ein Psychiater: «Ich fand heraus, dass die Nachtteams vor der Übergabe nochmals über ihre Dossiers gehen, um nicht faul etc. zu wirken. Das Morgenteam wiederum ist frisch und nimmt an, dass die Nacht-Equipe müde war – und sie überprüft die Abläufe zur Sicherheit nochmals.»

«The best time to go to the ER, according to 17,428 healthcare professionals», in: «Figure 1 Blog»


Hinzu kommt in der Tat, dass der Andrang am Morgen eher sinkt – andere Versorger stehen wieder zur Verfügung. En détail befanden also viele Befragte, dass in der Mitte des Morgens, etwa zwischen 8 und 10, wirklich die bestmöglichen Zustände auf den Notfallstationen dieser Welt herrschen.
Vermeidet den Abend!
Als zweit-günstigstes Tages-Viertel wurden die Nachtzeiten zwischen Mitternacht und 6 Uhr früh genannt (22 Prozent Zustimmung): Hier ist der Andrang am tiefsten, so das Hauptargument. Als besonders ungünstig indessen gelten die Abendzeiten, wo einerseits viel Aktivität herrscht und andererseits viele Spitaldienste nicht mehr aktiv sind.
Eine Pflegerin meldete sich übrigens mit einem gewiss berechtigten Einwand zu Wort: Den Patienten sollte es eigentlich egal sein, wann der Notfall wie funktioniert – denn zum Notfall soll man, wenn man muss. 
Das können zwar alle unterschreiben, aber eben: Alle wissen auch, wie sehr es der Realität entspricht…

Siehe auch: «Das Medizin-Instagram: Wo Ärzte ihre Bilder tauschen können»

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