Von 200 auf 415 Millionen Franken in 5 Jahren

Eines lässt sich jetzt schon sagen: Der Posten «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» bleibt ein Dauerbrenner in der medialen und politischen Debatte um die Gesundheitskosten.

, 13. Juli 2016, 07:00
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Bekanntlich brachte Santésuisse das Thema vor einem Jahr auf: Im Juli 2015 stellte der Kassenverband fest, dass der Tarifposten «Konsultation in Abwesenheit des Patienten» immer eifriger verrechnet wird – insbesondere von Radiologen, Gastroenterologen, Orthopäden und Urologen. Aber auch im Bereich Spital ambulant sei die Papier-Position angestiegen, stellte «Santésuisse»-Direktorin Verena Nold damals gegenüber Radio SRF fest; wenn auch in etwas geringerem Umfang.
Mit Schlagzeilen wie: «Ärzte kassieren – auch wenn kein Patient da ist» oder «Weil Ärzte immer mehr Akten studieren: Krankenkassenprämien steigen schon wieder» griffen die Medien die Vorlage damals breit auf. Seither wird der «Administrations-Posten» immer wieder in der Öffentlichkeit angeprangert, beispielweise im April mit einem Beitrag in «10 vor 10»
Und als Santésuisse letzte Woche prognostizierte, mit welchen Prämiensteigerungen Herr und Frau Schweizer in diesem Jahr zu rechnen haben, legte der Verband den Finger erneut auf den Kostenfaktor «Aktenstudium». 

Selbstbedienungsladen Tarmed?

Und so war jetzt wieder «10 vor 10» dran: «Bearbeitung der Patienten-Akten kostet viel Geld», so der Titel des Fernseh-Beitrags vom Dienstag. Er brachte auch konkrete Zahlen. Danach stiegen die Rechnungen für «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» schweizweit von 200 Millionen Franken im Jahr 2010 auf 415 Millionen Franken im letzten Jahr. 
Und bei der Helsana entwickelte sich die Zahl von 45 Millionen Franken im Jahr 2011 auf 72,5 Millionen Franken im 2015.
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Zum Beitrag: «Bearbeitung der Patienten-Akten kostet viel Geld», «10 vor 10», 12. Juli 2016.
Im Hintergrund steht natürlich auch die (ziemlich blockierte) Debatte um den neuen Tarmed. Die Zahlen zeigten, «dass der Tarmed eigentlich ein Selbstbedienungsladen ist», sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold in der TV-Sendung. 
Widerspruch meldete FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel an. Man sehe es immer wieder, dass die Versicherungen bei Kostensteigerungen Mengenausweitungen wittern und am Ende den Ärzten sogar Betrug unterstellten – bevor sie nach anderen Gründen für die höheren Kosten suchten, so der Chirurg.

Wer verursacht den Aufwand? Die Kassen

Dabei schlage sich im umstrittenen Tarifposten auch nieder, dass die Leistungen zunehmend ambulant und weniger stationär erbracht werden.
Zudem: Der administrative Aufwand der Ärzte steige gerade wegen der Versicherungen. «Sie sind ein Teil der Kostensteigerung, bei welchem der administrative Aufwand – ohne dass der Patient gesünder wird – steigt», so Stoffel. 
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