«Verbot von Tier- und Menschenversuch führt zu Zweiklassenmedizin»

Der Spitzenmedizinerverband rät von einer Annahme der Initiative für ein Verbot von Tier- und Menschenversuchen erwartungsgemäss ab. Die Unispitäler befürchten schwerwiegende Folgen für die Schweiz.

, 6. Januar 2022, 09:22
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Der Verband universitäre Medizin Schweiz (Unimedsuisse) empfiehlt wenig überraschend die Ablehnung der Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot». In einer Stellungnahme weisen die fünf Universitätsspitäler und medizinischen Fakultäten auf die Auswirkungen einer Annahme der Initiative hin. 
Die Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot» kommt am 13. Februar 2022 zur Abstimmung. Sie will jegliche Versuche an Tieren und Menschen sowie Handel, Ein- und Ausfuhr von Produkten wie beispielsweise Arzneimitteln verbieten, für die Tierversuche oder klinische Studien durchgeführt wurden. 
Ein Verbot von medizinischen Therapien würde gemäss Unimedsuisse etwa bedeuten, dass viele etablierte und wirksame diagnostische Methoden, Therapien und Medikamente in der Schweiz nicht mehr angewandt werden dürften. Insbesondere schwer und chronisch kranke Personen, sowie solche mit seltenen Erkrankungen, die dringend auf bessere medizinische Behandlungsmethoden angewiesen sind, wären den Unispitälern zufolge betroffen.

Verbot würde sämtliche Forschung verunmöglichen

Ausserdem würde die Annahme der eidgenössischen Initiative zu einer «Zweiklassenmedizin» beziehungsweise zu grossen Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung führen. Reiche Patienten würden einfach ins Ausland gehen, um lebenswichtige Therapien, die es in der Schweiz nicht mehr gibt, zu erhalten, wie in der Stellungnahme zu lesen steht. 
Sämtliche Forschung, bei denen Menschen und Tiere einbezogen sind, würde darüber hinaus verunmöglicht. Das würde in der Folge, so der Spitzenmedizinerverband, fast die gesamte Forschung zu neuen Wirkstoffen verbieten. Tierversuche und Versuche am Menschen seien aber meist die einzige Möglichkeit, eine neue Therapie an einem ganzen Organismus mit all seinen komplexen Wechselwirkungen zu testen. 
Mit dem Verbot würde gemäss Unimedsuisse den Patientinnen und Patienten in der Schweiz ausserdem auch noch die Teilnahme an klinischen Studien verwehrt, was möglicherweise lebensrettende Therapien mit einschliesst.

Schweiz betreibe bereits verantwortungsvolle Forschung

Die Schweiz verfügt über ein umfangreiches gesetzliches Regelwerk, um eine verantwortungsvolle medizinische Forschung zu gewährleisten, wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist. Die Tierversuchsgesetzgebung der Schweiz gehöre zu den strengsten der Welt – und klinischen Studien müssten von eine Ethikkommission bewilligt werden.
Der Verband der Spitzenmedizin betont in der Stellungnahme aber auch, dass er eine intensivierte Forschung zu alternativen Forschungsmethoden befürworte. Dies, um Tierversuche kontinuierlich ersetzen zu können, wie dies beispielsweise die Zielsetzung des aktuellen nationalen Forschungsprogramms «Advancing 3R – Tiere, Forschung, Gesellschaft» sei. Die bereits bestehenden alternativen Ansätze zu Tierversuchen seien aber heute leider noch nicht ausreichend entwickelt und ihre Wirksamkeit noch nicht in allen Bereichen genügend, um alleine auf diese abzustellen.
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